Lokis Lektionen: Loslassen

Seit einiger Zeit häufen sich bei mir Thematiken, die mit Loslassen zu tun haben. Loslassen—das klingt nach Passivität, nach geschehen lassen. Das stimmt so aber nicht.

Je länger ich mich damit befasse, desto deutlicher werden mir die vielen Bereiche bewusst, in denen das Thema Loslassen eine Rolle spielt. Als es zu Beginn auf den Tisch kam—im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich benutze Karten zu Divinationszwecken—habe ich es gar nicht als “Loslassen” erkannt. Der Grund dafür war, dass ich unter “Loslassen” eben jenes “Geschehenlassen” verstand. Aber Loslassen hat viele Gesichter.

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich spreche hier über persönliche Erfahrungen und Lektionen, die Loki mir erteilt. Es kann sein, dass der Ton, in dem das stattfindet, für den einen oder die andere befremdlich aussieht. Bitte versucht, davon zu abstrahieren. Auch möchte ich sagen, dass das, was ich hier als Worte wiedergebe, nie so kommuniziert worden ist. Loki spricht zu mir in Konzepten und emotionaler Resonanz. Die Worte, die ich hier wähle, sind nur diejenigen, die dem nach meinem besten Wissen und Gewissen entsprechen.

Sprich, und verschweige nichts

Es fing damit an, dass ich nach einem weinseligen Abend spät nachts allein zu Fuß durch die Stadt nach Hause ging. Nüchtern war ich nicht, aber auch nicht betrunken. Ich war in dem Zustand, in dem alles ein klein wenig einfacher und deutlicher aussieht. Aus irgendeinem Grunde fiel mir ein Thema ein, das mir im Zusammenhang mit meiner Verbindung zu Loki Schwierigkeiten bereitet. Und ich fing an, einfach mit Ihm zu reden. Es war Nacht, kein Mensch war unterwegs der mich hätte hören können; da lief ich also mitten in der Nacht mitten durch die Öffentlichkeit und murmelte englische Worte vor mich hin. [Ob ich mit Loki deutsch oder englisch rede hängt einzig davon ab, in welcher Sprache ich gerade denke].

Ich sagte Ihm, wovor ich Angst habe; das Thema ist kompliziert, hängt mit allem Möglichen zusammen wie ein Knäuel— man könnte sagen, in meinem Leben ist ein Loki drin—aber das allein war nichts, was ich nicht schon ein paar mal gemacht hätte. Das eigentlich Außergewöhnliche war, dass ich Ihm sehr deutlich und unmissverständlich meine Grenze aufzeigte. Ich sagte zu Ihm, dass ich Ihm etwas bestimmtes nicht geben könne, und dass ich nicht wüsste, wie ich reagieren würde, wenn Er es verlangte. Was ist daran so besonders, magst du dich jetzt vielleicht fragen… aber glaub’ mir einfach, für mich ist es eine absolute Besonderheit, Loki—LOKI— derartige Ultimaten zu stellen. [Um genau zu sein: ich kann vieles stellen, aber was es bedeutet? Ob es wirklich das bedeutet, was man gemeinhin unter “Ultimatun” versteht? Nein. Aber das ist ein anderes Thema, über das ich noch nicht schreiben möchte.]

Es war ein langes Gespräch, und ich fühlte Ihn zuhören. Er gab mir keine direkte Antwort, aber ich hatte das deutliche Gefühl, dass Seine Aufmerksamkeit bei mir war. (Hat das schon einmal jemand erlebt? Es ist so ähnlich wie auf einer Bühne stehen, und wissen dass das ganze Publikum einen anschaut). Als ich zu Hause ankam, und meine Arbeit an Seinem Altar beendete, fühlte ich mich ein bisschen leer, und ein bisschen leichter.

Und am nächsten Tag kam bei der Divination die Aufforderung: “Sprich, und verschweige nichts. Sei ehrlich, und stelle dich Mir und deiner Situation.”

Hatte ich das nicht schon getan? Ja, aber nicht bewusst, nicht ohne Alkoholeinfluss, nicht auf Aufforderung, nicht reflektiert. Loki wiederholt sich nicht; diese neue Aufforderung ging einen Schritt weiter, holte Gedanken und Gefühle in die manifeste Ebene herunter, derer ich mir noch am Vorabend nicht bewusst war. Und Loki sagte noch mehr zu mir: “Kenne deine Grenzen; nenne sie, auch wenn du fürchtest, verlassen zu werden. Zeige Mir deine Stärke.”

Loki zwang mich dazu, diese Grenzbereiche nochmals zu erforschen, diesmal mit einem klaren Verstand und intellektuellen Ansatz. Es war eine Herausforderung, auch wenn sich das die meisten, die mich kennen, nicht vorstellen können. Grenzen ziehen, zu sagen “bis hier und nicht weiter”? Kein Problem, habe ich oft genug gemacht. Aber mit Ihm, mit dem Gott, dem ich zugehörig bin… da ging es nicht um “bis hier und nicht weiter”. Da ging es um “warum gerade das?”, da ging es um “worum geht es wirklich?”, und um “sag’ Mir, was in dir vorgeht”. Sprich, und verschweige nichts. Deine Ängste, Hoffnungen und Erwartungen gehören Mir so vollständig, dass du sie auch ganz loslassen kannst. Ich bin da.

(Karten dazu: der Page der Schwerter, sieben Stäbe, der Narr, für die, die es interessiert)

Tu etwas, warte nicht ab

Kurz darauf kam im Gespräch mit einer Freundin das Thema Channelling bzw. Mediale Handlungen auf, und gleichzeitig gab es auch in beruflicher Hinsicht Ereignisse, die mich aufhorchen ließen. Und mir wurde langsam klar, dass meine Unfähigkeit, in beiderlei Hinsicht ein Ziel tatsächlich zu verfolgen, einen ganz simplen Grund hat: solange nichts passiert, passiert nichts.

Solange ich nicht handle, werde ich nicht in die Situation kommen, da ich feststelle, dass eine Ära zu Ende ist, und ich neue Wege einschlagen muss. Beruflich bedeutet das den Abschluss meiner Dissertation. Spirituell ist es natürlich komplizierter. Aber auch hier gilt dasselbe Prinzip: solange ich nicht handle, stelle ich mich nicht der Möglichkeit, dass ich das Channeln vielleicht nicht kann, oder es gar nicht will, oder eventuell sogar, dass ich es kann, und was das bedeutet.

Loki sagte zu mir: “Wenn du tust, was du geplant hast, dann werden sich Dinge verändern.

Er sagte nicht, tu dies, dann wird es laufen wie geplant. Und mir wurde klar, dass es darum überhaupt nicht geht. Es geht darum dass ich meine Situation (materiell wie spirituell) kenne, ihre Hochs und Tiefs sind mir vertraut, auch wenn ich nicht immer glücklich damit bin. Ich bin mitten in meiner Komfort-Zone, die vielleicht im Einzelnen nicht besonders komfortabel ist. Ich verstand, dass ich nicht im Kreis renne, um etwas zu tun, sondern gerade, um etwas nicht zu tun.

“Um nicht loslassen zu müssen”, sagte Er.

Um nicht in eine Lage zu geraten, in der ich eine noch tiefere, beängstigendere, wundervollere Verbindung mit Ihm suche, und finde. Ich bin mein eigenes Hindernis, und während ich viel darüber nachdenke, wie es ist, nach den Sternen zu greifen, so bin auch ich diejenige, die genau dies verhindert. So einfach und logisch wie es sich jetzt anhört, die Tatsache ist, dass Loki mir diese Erkenntnis gab; ohne Ihn hätte ich nicht gesehen. Auch das, was ich hier schreibe, gibt nur unvollständig wieder, was Er mir zeigte. Es war ein Zeichen Seiner Gunst, und es fühlte sich an wie Er: durchdringend, intensiv. Es ist nicht beruhigend oder tröstlich, und soll es auch nicht sein. Aber es war ein Akt der Gnade, wenn man solche Worte verwenden möchte: Tu etwas, warte nicht ab. Dann werden sich die Dinge verändern; Loslassen ist eingreifen.

(Karten dazu: der Ritter der Kelche, vier Pentakel, vier Stäbe, König der Stäbe, acht Pentakel. Hier sind ein paar individuelle Bedeutungsvarianten mit im Spiel, sodass das ganze relativ stark “verschlüsselt” ist.)

Beanspruche nicht für dich, was Mir gehört.

Der vielleicht schwierigste und der am wenigsten deutlich ausformulierte Aspekt meiner gegenwärtigen Arbeit mit Loki betrifft direkt die Rolle von Eigeninteresse, Aufopferung und Hingabe. Ich suche Ihn in meinem täglichen Leben, und manchmal wird mir bewusst, dass ich Ihn nur begrenzt wahrnehme, auch in Punkten, über die ich mir im Klaren bin. Der Auslöser war etwas, das ich morgens vergessen hatte zu tun, obwohl es Sein Wunsch war. Und es fiel mir erst im Laufe des Nachmittags auf.

Ich sprach mit Loki darüber, und Er sagte: “du schränkst dich ein, indem du Mir Grenzen setzt“.

Das ist ein Prozess, der nicht von gestern auf heute abzuschließen ist. Aber solange ich Sein Eigentum für mich beanspruche, werde ich immer wieder lernen müssen, diese Einschränkung zu durchbrechen. Ich werde immer wieder lernen müssen, keinen Vorbehalt zu fordern und meinen “Ja”s nicht immerzu einen Disclaimer voranzustellen. Irgendwann werde ich stark genug für tatsächliche Hingabe sein. Und dafür habe ich Zeit.

Lerne es, loszulassen, […]. Werde mehr als du. Lehne dich an Mich, während Ich dich erfülle.

(Karten dazu: vier Pentakel, Page der Schwerter, der Gehängte. Ihr seht, hier wird es sehr persönlich und geht ans Eingemachte. Die Ellipse steht für eine persönliche Anrede, die ich hier nicht benutzen will/darf)

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About Myriad

Myriad Hallaug Lokadís
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11 Responses to Lokis Lektionen: Loslassen

  1. I’m currently being taught that too, letting go and trusting Him. Just last night I had a dream where I released a shiny silver balloon into the starry sky and told Loki to take my distrust, my fears and my hangups into His hands.

    • Myriad says:

      That is a beautiful image. For me, it’s not like that (but that doesn’t mean I don’t see how it might be for you!). For me it’s really… more ruthless than a shiny balloon, and less peaceful. But as I said, I see how it might be.

      Personally, I don’t really like the word “hangups”. It sounds like an illness that one has, whereas what is meant by it is really just part of the human condition…

      • Well, the balloon part was just the beginning. After that I talked to some people, mostly a man with black wavy hair I thought was a younger version of my father but he could have been in disguise, about my heritage. Then, the dream was ruthless for me too. I’m hoping it was just my subconscious fears and Loki wasn’t really insulting me, directly or through someone. But a young guy told me something he claimed Loki thought of me that made me want to hit him.

    • Myriad says:

      I’m sorry if what I said came across as aggressive. Please believe me that I’m not trying to make any claims as to “I have it better (or worse) than person X”, with person X being you in that case.

      I think your dream is really interesting… in my experience, my own reaction to situations ocurring in dreams, during those dreams is often worth noting. When I’m conscious, I’m much more reserved, and I have a lot of filters in place that keep me from a possibly more genuine response. I think it’s important to be aware of what is happening in dreams, but I usually try not to put too much stock in everything. It would be just weird, as in most cases, my dreams are WAY not to be taken literally (or even metaphorically). Sometimes, I really get lost in Meta-land with dreams :)

      • Oh no, no, I didn’t think your first response was aggressive at all! I didn’t mind it. You were just stating that your experience was different than mine, and there’s nothing wrong with that. I think yours is very interesting too. And yet we both seem to have similarities in finding change uncomfortable and challenging.

    • Myriad says:

      Challenging, yes. Uncomfortable, depends on your definition. It’s not comfortable in a “fat cat” way, that’s definitely true. It’s uncomfortable in the sense of Dumezil’s term “the Unquiet Thought”. But it’s not uncomfortable in a way that makes me think it’s malicious, sadistic, what have you.

      It’s uncomfortable, but it’s also engaging, activating, and full of potential. And I truly love that.

  2. esaja says:

    ich hab das auch schon so erlebt, dass ich Seine aufmerksamkeit fühlen konnte, auch wenn Er nichts gesagt hat. eigentlich erleb ich das ziemlich oft.

    • Myriad says:

      Ich glaub’ Er ist jemand, der einen gern erst einmal mit vollem Kraracho in die Wand rennen lässt. Und das, denke ich, heißt, dass Er eben manchmal einfach nur zuhört/zuguckt. (Und außerdem ist Er fürchterlich neugierig meiner Erfahrung nach, was das Leben von Menschen angeht…)

      Bin auf jeden Fall froh, dass das jemand nachvollziehen kann mit der Aufmerksamkeit!

  3. Athena says:

    Interessant… Scheint das Thema “Loslassen” doch dieser Tage viele von uns zu betreffen… Es war neben “Vertrauen” für mich die größte Schwierigkeit. Ich glaube dies hier war noch schlimmer. Undzwar Loslassen im Sinne von Abschließen, Beenden, den Punkt erreicht haben, an dem es nicht mehr weiter geht. Zum Einen. Aber zum Anderen habe ich auch gerade vor ein paar Tagen erst kapiert, dass Loslassen eine aktive Sache ist. Es ist nicht so passiv, wie ich es immer dachte. Du entschließt Dich ja aktiv dazu. Läßt es zu… (das trifft es nicht zu 100%, aber manchmal fehlen mir schlicht und einfach die Worte). Hekate sagte zu mir vor knapp einem Jahr “Du hast jetzt lange genug gelernt, es ist an der Zeit Deinen Platz einzunehmen. Handle so schnell und zielgerichtet wie der Vogel, der Dir voran fliegt”. Das war eine Eule, die sie mir zeigte. Dann waren da drei Wege (Kurzversion) und sie nahm mich an die Hand. Verlangte von mir zu entscheiden ob ich weiter geradeaus gehen möchte (die sprichwortliche Hekate-Dreiwegskreuzung ^^) oder abbiegen. Ich sagte ich gehe nach links. “Ganz sicher?” Ja, ich wollte das.
    Dabei wußte ich nichtmal worum es ging… ;-P
    Jedenfalls hatte ich soviel Angst meine jahrelang gewohnte Situation und alle Sicherheit zu verlassen, dass ich mir einredete nicht wissen zu wollen worum es ging. Aber der Augenblick kam – und ich handelte. Ich ließ alles los.
    Und das war MEINE ganz bewußte Entscheidung.
    Ich verabscheute sie, sie machte mir Angst und sie machte mich krank. Ich wollte das nicht. Aber ich konnte auch so nicht mehr weiter leben. Heute, sechs Monate später, weiß ich wofür ich mich damals entschieden habe. Und dass es richtig war.
    Also glaube ich dass ich verstehe was Du meinst… :)

    • Myriad says:

      Weißt Du, ich glaube Loslassen und Vertrauen haben so viel miteinander zu tun, dass man sie eigentlich nicht voneinander losgelöst betrachten kann. Lieben und Vertrauen sehe ich eigentlich genauso wie Loslassen als Aktionen an. Ja, man entschließt sich aktiv dazu. Und man tut es aktiv. Ich musste eben nochmal nachsehen, von wann dieser Post eigentlich war—und kann gar nicht glauben, dass das erst im Mai war. Es fühlt sich an, als wäre es viel länger her.

      Und in dieser Zeit hat sich so viel getan. Ähnlich wie Du zu Hekate, fühle ich mich Loki zugehörig—und zwar sehr stark zugehörig, in gewisser Hinsicht; als ich den Beitrag schrieb, war das ein Aspekt, der mich sehr stark beschäftigt hat. Heute hat sich da zwar der Schwerpunkt etwas verlagert, was aber am Wahrheitsgehalt nichts ändert. Ich bin Sein.

      Bei mir gibt es auch Situationen, mit denen ich nicht glücklich bin, von denen ich will, dass sie sich ändern und lösen, obwohl mir bewusst ist, dass sowas immer schmerzhaft ist. Du schreibst ja in Deinem Kommentar auch von Abscheu, Krankheit und Widerwillen. Und Loki kann da sehr kompromisslos und sogar brutal werden. Und dann gibt es auch Dinge, an denen hänge ich. Die will ich nicht verlieren. Aber aufgeben? Aufgeben muss ich sie doch. Das ist die Schwierigkeit: zu Allem “ja” zu sagen, nicht nur zu dem, was man mittelfristig positiv beurteilt. Auch zu dem, was man nicht will; es muss dazu nicht kommen, aber ein wirkliches Loslassen, Sich-hingeben, kann nur dann geschehen, wenn man sich der Möglichkeit öffnet. Ich glaube das ist nicht nur bei Loki so. Wirklich, inzwischen denke ich, dass die Menschen zu den Göttern und Göttinnen finden, mit denen sie solche Prozesse durchstehen können. Die mit ihnen solche Prozesse anstoßen können.

      Bei mir ist das Loki; bei Solvey Apollon—der bei ihr ja ganz klar die erste Geige spielt—und bei Dir Hekate. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig das für Dich war alles. Man weiß eben nicht wohin es geht, oder worum es geht. Ich habe auch erst vor Kurzem eine Erkenntnis gehabt, was Er von mir erwartet… wofür ich mich aber im Mai nur unbewusst entscheiden konnte.

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