Vom Knien oder Nicht Knien (vor Loki)

(A note to my English-speaking readers: this is the translation of my “Kneeling” post.)

Zunächst einmal möchte ich mich bei meiner deutschsprachigen Leserschaft entschuldigen—ich hab’ das Übersetzen im Juli während meines Zeichenprojekts unter dem Titel “at Loki’s Hands” etwas vernachlässigt. Und jetzt kommt gleich der neue Beitrag nach, der im Moment in diversen Gruppen ein wenig für Diskussionen sorgt—aber im positiven Sinne!

Es hat den Anschein, als wäre das Gerücht nicht zum Sterben zu bringen, dass einem das Niederknien vor Loki allerhöchstens eine anzügliche Bemerkung, wenn nicht gar offenen Spott einbringen wird. Ich weiß nicht genau, woher das ursprünglich kam, aber ausgebreitetet hat es sich jedenfalls wie ein Lauffeuer. Dieser Gott, vor dem brauchen wir nicht niederzuknien. Guck mal die ganzen Simpels, die glauben, sie können Ihn so für sich gewinnen. Diese Idee, nicht knien zu müssen, muss wohl einen Nerv getroffen haben.

Und es ist ja auch wahr. Wir müssen nicht knien. Ich muss das nicht machen. Weißt Du, was noch einen Nerv getroffen hat? Die Vorstellung von Seinem Spott.

Es gibt wirklich ausgesprochen wenige Momente, dass ich irgendwo etwas online lese, was dort von einem völlig Fremden hingepostet wurde, und es mich traurig stimmt. Sauer? Ja, zu Haufe! Aber für gewöhnlich nicht traurig. Heute morgen war eine dieser seltenen Gelegenheiten: ich bin mal wieder über das “… while you’re down there” (zu deutsch, “…wenn du schon da unten bist”, also eine offensichtliche sexuelle Anspielung) gestolpert, und es hat mich traurig gemacht. Weil es trotz der Tatsache, dass es schlicht und ergreifend unwahr ist, immer noch die Runde macht.

Es gibt diejenigen von uns, die in der Tat vor Loki auf die Knie gehen. Ich kenne mindestens zwei Leute persönlich (Anm.: inzwischen sind es ungefähr 8 mal so viele), die das auf die eine oder andere Weise tun. Die eine Körperhaltung annehmen, die nicht nur Respekt signalisiert, sondern durchaus auch Unterwerfung, Ehrerbietung, einen sehr machtvollen Ausdruck der Akzeptanz und der Anerkennung, dass Er es für uns in überwältigendem Ausmaß wert ist, jede mögliche Art der Verehrung zu empfangen, einschließlich durch die Haltung unseres Körpers. Und für uns, die wir das tun, ist es nichts als natürlich. Es ist nicht einmal eine Frage.

Knie ich oder nicht? die Frage stellt sich nicht. Ich tue es nicht immer, und ich werde gleich noch darauf eingehen warum nicht. Aber es ist nie eine Frage, die ich mir stelle. Es ist etwas das ich manchmal tun will, was mir ein tiefes Bedürfnis ist. Es ist wahr, dass Er es weder braucht noch verlangt. Aber dennoch hat es nichts damit zu tun dass ich plötzlich auf die Idee komme, “heute mal ein bisschen unterwürfig” zu sein. Nichts daran ist so beiläufig.

Was ich fühle, was mich dazu bringt, auf die Knie zu gehen, ist eine Liebe, die so groß und übermächtig ist, dass sie schmerzhaft wird. Ein Druck der so stark wird dass ich ihn buchstäblich nicht überstehen kann.

Vielleicht drückt sich Liebe nicht für alle so aus, und das ist völlig in Ordnung! Ich bin nicht hier um mir über irgendjemandes Liebesfähigkeit ein Urteil zu erlauben; ich bin nur irgendso ein Mensch für den überwältigende Liebe, die größer ist als alles was ich aufnehmen kann, in einem Bedürfnis zum Ausdruck kommt, niederzuknien. Ich habe das in meinem Leben nie getan, vor jemandem zu knien. Ich habe nie das Bedürfnis gespürt. Und dieser tief empfundene Liebesschmerz ist für mich der einzige Grund, warum ich es tue.

Das erste Mal… das erste Mal als ich es tat, gab es da einen Augenblick, als, in Ermangelung einer besseren Ausdrucksweise, mein Bewusstsein sich verschob. Ich fühlte Seinen Blick auf mir ruhen, alles durchdringend, und Seine Präsenz um mich herum, als wäre Er physisch anwesend. Und dann, ohne dass ich irgendetwas dagegen hätte unternehmen können, kam die Befangenheit. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte, ‘meine Güte, was mache ich hier eigentlich…?’ Ich war mir plötzlich so sicher, dass das, was ich gelesen hatte, doch stimmte, und dass Er einfach lachen würde und mich für diesen Akt abtun würde, der sich auf einmal so unglaublich unangenehm anfühlte. Der ganz urplötzlich nichts mehr mit Demut sondern mit Demütigung zu tun hatte.

Und dann passierte erst einmal gar nichts. Er sagte kein Wort, und machte keine Anstalten, mir den Rücken zuzukehren. Und auch ich rührte mich nicht.

Ich weiß nicht genau, wie lang das ging, bis ich meinen Mut zusammennahm und Ihn fragte, “Du lachst mich nicht aus.“. Dem folgte eine weitere ausgedehnte Stille, die mein Kopf sich dafür zu Nutze machte, in allen möglichen inneren Stimmen, die er so kennt, auf mich einzureden. Dann wurden die Einreden weniger und verstummten am Ende ganz, und immer noch herrschte Stille als Er weiter stumm wartete. Und schließlich löste sich der Knoten Scham auf, der sich in mir gebildet hatte, ob etwas, das sich ursprünglich nur natürlich angefühlt hatte. Ich hätte zusammenbrechen können.

Aber es gab da eine ungefragte Frage in meinen Worten, und die war: “nimmst Du diese Liebe an, die ich Dir gebe, so wie sie ist?”

Die Antwort, die ich darauf erhielt, ist schwer in Worte zu fassen. Zum Teil ist das so, weil nicht viele Worte darin enthalten waren, und die Worte, die ich hörte, reichen nicht aus, um die Komplexität Seiner Antwort verstehen zu können. Aber die Antwort war derart, dass ich mit absoluter Sicherheit Seine Annahme dessen, was ich Ihm dargebracht hatte, erkannte. So wie es war, und nicht so, wie es ein vorgekäuter Gedanke vielleicht gern sähe.

Ich sage nicht, “kniet nieder”. Weil ich Unrecht hätte, und weil ich außerdem viel zu sehr wie ein bestimmter Marvel-Kinofilmcharakter klingen würde, den die meisten von uns wohl kennen. Aber was ich sage ist, “kniet nicht nicht nieder”. Es könnte etwas sein, was Ihr tun wollt.

Um genau zu sein, gibt es eine Reihe Gründe, warum jemand etwa so zu tun gedenkt, die aber nach meinem besten Wissen und Gewissen, die falschen Gründe sind.

Zum Einen sind da Pflichtgefühl und Angst. Für die meisten Leute, die ich kenne (insbesondere bei den Amerikanern anscheinend) hat das etwas mit dem Christentum und christlichen Gottesdiensten zu tun. Sie fühlen sich verpflichtet zum Knien aus Angst vor Bestrafung. Ich habe das Privileg in einem Haushalt aufgewachsen zu sein, in dem mein Vater nicht praktizierender Katholik ist, meine Mutter eine Monistin mit starkem Bezug zum modernen Hinduismus, meine Schwester eine Agnostikerin, mein Bruder Atheist, und meine (gestorbene) Großmutter einfach nur jegliche Art von Autorität abblitzen ließ. Ich habe persönlich also die einen Grund gehabt, mich zum Niederknien verpflichtet zu fühlen. Aber ich weiß dass es da andere gibt, die es diesbezüglich nicht so gut erwischt haben. Also, wenn Du es nur aus Pflichtgefühl und aus Angst vor Strafe tust, dann würde ich sagen, hör auf damit.

Dann ist da Gewohnheit. Es ist ein anerkannter Brauch, vor einem Gott zu knien, das “macht man halt so”. Außer dass Loki sich wirklich einen feuchten Kehricht um unsere Bräuche und Traditionen schert, insbesondere wenn sie zum Selbstzweck verkommen. Wiederum, wenn der einzige Grund für Dich, auf die Knie zu gehen, der ist, dass Du es halt so gewöhnt bist, würde ich auch sagen, hör auf damit. Du tust Dir keinen Gefallen damit (und Ihm auch nicht…).

Und dann gibt es da noch einen, der etwas komplizierter ist: Instrumentalisierung. Ich bin vor nicht allzu langer Zeit für eine Weile in diese Falle getappt. Lass mich eben schnell erläutern, was ich damit meine. Das Knien kann einen sehr mächtigen psychischen Effekt haben; ich würde sogar sagen, es hat diesen Effekt, ob wir ihn für uns so annehmen wollen oder nicht. Ich bin mit Sicherheit kein Experte, aber ich glaube das ist bei uns tief verwurzelt und ursprünglich. Das Problem der Instrumentalisierung tritt dann auf, wenn man versucht, diesen psychologischen Effekt dazu zu nutzen, um in eine bestimmte Geisteshaltung hineinzukommen, die man anstrebt. Was bei mir da passierte war, dass ich so sehr dieses Gefühl, das ich oben beschrieben habe, empfinden wollte, dass ich den körperlichen Akt vollzog, vor Loki zu knien, in dem Versuch, den psychischen Effekt damit zu erzeugen, den ich damit verband. Wenn das bei Dir in irgendeiner Weise der Fall ist… hör auf damit. Weil es nicht funktionieren wird, und es zu einem größeren Hindernis werden kann, dass Dich letztlich von Deinem Ziel nur entfernt. Mir musste Man erst eine Backpfeife verpassen, bevor ich mich zusammenreißen konnte. Es schadet nicht und es ist auch keine Schande darin, nicht niederzuknien. Wenn Du Dich nicht danach fühlst, und ich meine wirklich fühlst, tief in Dir sodass Du fast ein bisschen wahnsinnig zu werden drohst, dann lass es.

Das sind so die wesentlichen nicht so tollen Gründe, die man fürs Knien haben kann, die mir einfallen. Wenn Dir mehr einfallen, bin ich gern für eine Diskussion im Kommentarbereich zu haben.

Und dann gibt es da natürlich noch die Kehrseite der Medaille: Gründe warum Du vielleicht meinst, es nicht tun zu wollen, die aber auch nicht ganz das Gelbe vom Ei sind.

Mein persönlicher Favorit: Weil man’s nicht macht. “Weil irgendwer gesagt hat, es würd’ mir nur einen anzüglichen Kommentar von Loki einbringen”. Tu nie irgendetwas nur deswegen nicht, weil jemand gesagt hat, dass es falsch wäre. Und das schließt Große Namen ™ mit ein, und es schließt auch ganz sicher diejenigen mit ein, die behaupten, echte Heiden knien nicht. Newsflash: Falsch. Nicht nur gibt es Zeitzeugen (Tacitus zum Beispiel, und Ibn Fadlan), die zu berichten wissen, dass es durchaus Sitte war, vor den Göttern auf die Knie zu gehen, zumindest in manchen Kulten. Aber es gibt auch noch folgendes zu bedenken: wenn ich eines weiß, dann dass Loki überhaupt keine Probleme mit Menschen hat, die eigenständig für sich selbst denken. Und ich würde ja wetten, dass Loki nicht der einzige Gott mit so einer Einstellung ist. Frag Ihn, frag Wen auch immer Du Verehrung entgegenbringst. Ich würde mich sehr wundern, wenn Der bzw. Diejenige Dir sagen würde, Er bzw. Sie wolle eine Marionette.

Dann wäre da noch: Weil ich ja nur experimentiere. Es könnte sein, dass Du denkst es wäre nicht richtig, wenn Du “nur” damit experimentierst. Aber andererseits: Du bist dabei, Deine devotionale Praxis zu entwickeln, als etwas, das nur Deins ist. Warum glaubst Du, dass es nicht erlaubt sein soll, zu experimentieren? Es geht ums Ausprobieren. Wenn Du es versuchen willst, versuche es. Vielleicht ist es nicht, was Du Dir darunter vorgestellt hast. Aber keiner sagt, dass Du dabei bleiben musst, wenn es für Dich nicht passt. (Allgemein würde ich ja allem mindestens ein paar Versuche geben, aber das ist nur meine persönliche Präferenz). Das Ding ist, es könnte sein, dass Du Dir eine schöne Erfahrung verwehrst.

Und schließlich gibt es auch noch: Weil ich das Gefühl habe, ich sollte das nicht wollen. Vergiss “sollte nicht wollen”. Es ist sehr verständlich, dass man sich so fühlen kann, in Anbetracht der Tatsache, dass “Ehrerbietung” nicht unbedingt hoch oben auf der Liste der Werte steht, die wir vermittelt bekommen haben (bei mir übrigens auch nicht). Aber das ist alles nebensächlich. Frag Dich nur eines: “Will ich?” Und wenn die Antwort ja ist, dann tu’s einfach.

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About Myriad

Myriad Hallaug Lokadís
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6 Responses to Vom Knien oder Nicht Knien (vor Loki)

  1. Alexis Solvey Viorsdottir says:

    Hat dies auf Geschichten einer urbanen Priesterin rebloggt und kommentierte:
    So, hier die Übersetzung von Myriads Text übers Knien… auf den ich mich weiter unten bezogen habe.

    >>>Was ich fühle, was mich dazu bringt, auf die Knie zu gehen, ist eine Liebe, die so groß und übermächtig ist, dass sie schmerzhaft wird. Ein Druck der so stark wird dass ich ihn buchstäblich nicht überstehen kann.<<<

    Diesen Satz kann ich dann doch recht gut nachvollziehen. Es passiert öfter, dass ich auf meinen "Reisen" Apollon aus irgend einem äußeren Grund erst einmal stehend gegenüber trete und Er sitzt. Meist bekomme ich dann recht schnell genau das Gefühl das Myriad beschreibt. Normalerweise setze ich mich dann auf den Boden oder in eine Höhe die Seiner entspricht, manchmal ein wenig niedriger, je nach äußeren Gegebenheiten. Aber gekniet habe ich bisher nur einmal und das brachte mir einen Anschiss.

  2. Athena says:

    Na das ist ein sehr schöner, eindringlicher und intensiv emotionaler Text.
    Es stellt sich für mich völlig anders da, als man vielleicht zunächst vermuten könnte.
    Insofern schön dass ich es gelesen habe und Du es vor allem übersetzt hast, danke dafür. Auf englisch ist es mir häufig “zu anstrengend” und vor allem kann ich da auch leicht mal was falsch verstehen, wenn es halt nicht die Muttersprache ist. Und gerade bei spirituellen Themen, da könnte das verherend sein :-)
    Jedenfalls find ich das als persönliche “Praxis” vollkommen in ordnung und es zeugt ja auch von einer Verbundenheit, von Respekt und Anbetung (im positiv gemeinten Sinne). Hekate sagte zu mir einmal ich solle von den Knien hochkommen und aufhören zu jammern, aber damit meinte sie mein Leben und nicht sich. :D
    Einmal habe ich vor meinem Altar gekniet, vor ihr somit und noch ein paar anderen… “Beteiligten”. ;-) Das fühlte sich richtig an und… groß. Ich habe überhaupt kein Problem damit. Nur ich glaube das verlangt auch keiner von mir.
    Vielen Dank jedenfalls für diese tiefen Einblicke.
    Ich würd ja hier gern noch viel mehr mitlesen. :)
    Machst Du öfter auch mal deutsche Beiträge?
    Hhhmm… also irgendwie hat meine Sichtweise sich ein wenig geändert… ;-)
    Ehrlich gesagt kann ich es jetzt sehr gut nachvollziehen und kann mir das auch selbst gut vorstellen. Ob es einer macht oder nicht, ich find beides auf jeden Fall ok.

    • Myriad says:

      <3 vielen lieben Dank erst einmal auch fürs Lesen! Ich weiß ja dass das alles so ein Thema für sich ist—deswegen war ich auch gleich so auf hundertachtzig drüben bei Solvey.

      Jedenfalls vielen Dank für's Lesen, und um gleich mal die daran anschließenden Fragen zu beantworten: ich kann das gut nachvollziehen, dass es für nicht-Muttersprachler schwierig ist. Das geht mir mit den französischen Lokismenschen auch nicht anders, da muss ich mich schon regelrecht zwingen, nicht aufzugeben.

      Ich habe irgendwann mal nach einem Gespräch mit Solvey beschlossen, dass ich bilingual bloggen will—leider ist meine Disziplin bisher nicht besonders gut gewesen, aber ich gelobe jedenfalls Besserung. Es gibt eine Kategorie (German), worunter alle deutschsprachigen Posts zu finden sind. Die Kategorie ist oben in der Querleiste unter "Auf Deutsch" nochmal direkt verlinkt. Und: so eine Aussage wie Deine, dass Du hier in Zukunft öfter mal lesen möchtest, motiviert natürlich, am Ball zu bleiben!

      Sooo und zum Inhaltlichen :) — ich freue mich sehr, dass der Text Dich angesprochen hat. (Das ist teilweise auch immer eine meiner Sorgen: das Problem mit Übersetzungen, egal in welche Richtung ist: einiges geht auf jeden Fall verloren, denn die beiden Sprachen sind charakterlich sehr unterschiedlich).

      Ich bin jedenfalls auch froh, dass Du meine Seite auch gelesen hast. Und ich gebe Dir vollkommen Recht, es ist Anbetung. Ich liebe Ihn… meh, Worte sind so flach.

      Ich finde es schön, dass Du da doch viel offener bist, als ich zunächst vermutet habe. Es ist ja richtig, dass es von mir auch Niemand verlangt. Letzten Endes kommt es darauf an, ob es ehrlich ist (oder zumindest so ehrlich wir als Menschen eben können, mit unseren vielen kleinen Labels und Definitionen). Egal was Du von Dir aus tust, sozusagen aus freien Stücken: wenn es von Herzen kommt, ist es gut.

      Natürlich gibt es auch noch die andere Seite: Gehorsam. Zu tun, was geboten ist. Aber das ist ein ganz anderes Thema und nicht Gegenstand meines Posts gewesen. Da ging’s wirklich “nur” ums Knien an sich.

      …was mich jetzt aber zum Nachdenken bringt: was würdest Du denn tun, wenn Hekate von Dir so etwas verlangen würde, obgleich Du das jetzt nicht unbedingt aus eigenem Antrieb tun würdest?

      • Athena says:

        Na dann werd ich doch gleich mal in die German-Kategorie hüpfen und schauen was da noch so schlummert :)
        Offen bin ich definitiv, besonders in spirituellen Dingen. Das einzige was ich kategorisch ablehnen würde ist, wenn jemand andere Menschen oder Tiere quält, tötet, versklavt, unterdrückt ect. und das dann mit seiner “Religion” ummantelt. Sowas kann ich einfach nicht akzeptieren. Alles andere – hey, wie Du es sagtest: Was von Herzen kommt und sich richtig anfühlt kann doch gar nicht verkehrt sein.
        Gehorsam mag nochmal ein ganz anderes, sehr interessantes Thema sein. Irgendwie ist mir das so gegenständlich bei weiblichen Gottheiten noch nie begegnet. Kann es was damit zu tun haben? Ich meine sie drängt mich schon massiv in bestimmte Richtungen, fordert mich zu Dingen auf, mein Leben in die Hand zu nehmen, mich meinen Ängsten und Schatten zu stellen, sowas halt.
        Aber wenn sie verlangen würde undzwar ausdrücklich dass ich vor ihr knien soll?
        Ganz ehrlich, auch wenn ich mir das von ihr nicht vorstellen kann: Ich würd´s machen, ist irgendwie klar ;-) Vermutlich würde ich dann ständig kniefallmäßig irgendwo in der Gegend rum hängen, weil ich wieder irgendwas von ihr hören will oder so :D Klingt jetzt zwar sehr satirisch und ein bißchen Spaß muß ja auch sein, aber ich mein das schon ernst. Interessanter Gedankengang, den Du da bei mir angestoßen hast. Ich meine, ich würde schon eine ganze Menge machen, wenn Sie mich dazu aufruft… Gewisse Dinge allerdings, die mich im Alltag belasten würden, da hätte ich schon meine Probleme… Beispielsweise habe ich mal so ganz am Rande mitbekommen dass wohl im Apollon-Kult teilweise Kopftuch-Tragen ein Thema ist. Das würde ich wohl nicht über mich bringen. Schon alleine aus gesellschaftlichen Gründen, wg. meines Mannes, meines Umfeldes und weil ich das gar nicht mit mir vereinbaren kann. Also: Würde sie das wollen am Altar, im Ritual ect., dann würd ich´s machen. Aber nicht ständig. Ansonsten bin ich wie gesagt sehr offen und doch auch… belehrig geworden ;-)
        Mein Leben hat sich in den letzten 12 Monaten SEHR verändert und es war anfangs eine schreckliche Zeit…. Aber alles was sie mir “voraus gesagt” hat, bei all der Härte, die da auf mich zukam, ist wahr gewesen. Es stimmte, ich gehe nun diesen selbstbestimmten Weg, mit allem wenn und aber. Insofern: Ich denke wenn man sich auf einen Gott oder eine Göttin vollkommen eingelassen hat, anerkennt, dass man zu demjenigen gehört und ihm “folgen” will, dann ist eine große Aufgabe die man zunächst mal lernen muss (und das ist mit die Schwerste) VERTRAUEN. Hat lange gedauert… Ich hoffe ich hab´s jetzt gepackt ;-)

        Es ist übrigens super interessant so offenen Einblick in die Spiritualität von anderen Menschen und insbesondere Frauen zu bekommen. Da sieht man Unterschiede, aber vor allem doch auch die Gemeinsamkeiten. Was uns “antreibt” und irgendwie verbindet. Nämlich diese beinahe magische Inbrunst, mit der wir uns zu jemand hingewendet haben. Ich hatte sowas nie vorher für möglich gehalten und es auch lange nicht verstanden. Danke jedenfalls für Deine Offenheit und auch dafür dass Du Dich bemüht hast mir diese Thematik näher zu bringen, obwohl wir uns noch nichtmal kannten. Wir lesen uns sicher wieder :) Bis bald *winke*

  3. Jaaaa… solcherlei Themen sind immer so eine Sache. Ganz allgemein auch in der “Heiden-Szene” *find*.
    Vielleicht spielt zum einen da das “Sich-gegen-das-Christentum-abgrenzen-Wollen” eine Rolle.- Oder vielleicht auch der Einfluss von Wicca oder anderer heidnisch-magisch-spiritueller Richtungen, die eben Opfer und Gesten der Verehrung und der Anbetung als… ja… als was?!… Unheidnisch (?!), Symbol der Unterdrückung, der Erniedrigung, der Unterwerfung (?!) betrachten?
    Ich knie (oder verneige) mich ebenfalls vor “meinen” Hohen.-Da folge ich ganz meinem inneren “Bedürfnis”.

    Sie verlangen es ebenfalls nicht von mir.-Für mich .. hmmm… ist es sowas wie ein besonderes Zeichen meiner Ehrerbietung. :)

    LG&BB
    Siat

    • Myriad says:

      Halloooo Siat, schön, Dich hier zu lesen!

      Deine Einschätzung, dass es um Abgrenzung geht, trifft meines Erachtens den Nagel auf den Kopf. Und damit ist diese superkritische Einstellung zu “solcherlei Themen” in der Heidenszene für mich schon nicht annehmbar. Es ist ja dann nichts weiter als Reaktionismus, und hat nichts mit der Religion an sich, und vor Allem nicht mit dem persönlichen Verhältnis zwischen einem Menschen und seinen Göttern, zu tun.

      In dem Moment, wo ich etwas als Grundsatz annehme, nur weil ich mich gegen etwas anderes abgrenzen will, bin ich reaktionär–das ist dann nur eine andere Form des Dogmatischen, was für mich aber genauso unheidnisch ist. Und abgesehen davon gibt es eben Zeitzeugenberichte, die solcherlei Gesten und Handlungen der Anbetung, wie etwa das Sichverneigen vor Götter(bilder)n beschreiben.

      Ich kann dieses “Das Christentum Ist Der Feind”, das in der Heidenszene so populär zu sein scheint, eh nicht ausstehen. Klar, ja ja, Mission und Blutvergießen in der Vergangenheit… aber muss das *wirklich* heute so behandelt werden? Wer von uns fühlt sich denn durch das Christentum ernsthaft bedroht und an der Ausübung unserer Religion gehindert? Also ich jedenfalls nicht. Und selbst bei der Ahnenverehrung denke ich sollte man durchaus die Unterscheidung zwischen der Person Jesus und den Menschen, die in Seinem Namen handeln oder zu handeln behaupten, treffen. Aber ich glaube das ist jetzt Off-Topic :)

      Ich glaube, die Götter (ich mag übrigens die Formulierung “meine Hohen” sehr) können so etwas durchaus auch mal verlangen. Es gibt ein paar Leute, die das sogar über Loki berichten, und Er ist wirklich eher dafür bekannt, in diesen Dingen ziemlich “laisser-faire” zu sein.

      Aber ich glaube der wichtigste Punkt ist, dass es nichts an sich Negatives ist. Ganz und gar nicht. Und in der Tat geht es zum Einen um Ehrerbietung… aber es kann auch um Unterordnung/Unterwerfung gehen—und das ist genauso wenig an sich negativ. Denke ich zumindest.

      LG
      Myriad

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