Jede Menge Arbeit

Dieser Post wird vermutlich nicht ganz so lang wie gewöhnlich. Und vermutlich auch nicht ganz so streng übersetzt, hab nämlich gerade keinen Bock auf Übersetzen. Ich hatte die Tage relativ viel um die Ohren, da ich, wie Ihr vielleicht wisst, gerade meine Dissertation zusammenschreibe. Und wie es eben so üblich ist unter diesen Umständen, habe ich einige harte Deadlines auf mich zukommen.

Spirituell betrachtet waren die letzten Wochen… nicht ereignislos, das kann man eigentlich nicht sagen. Aber in angesichts des Punktes an dem ich Anfang Juli diesen Jahres angekommen bin, war es, soweit es Loki betrifft, ziemlich ruhig und entspannt. Ehrlich gesagt muss ich ein bisschen darüber grinsen, da “ruhig und entspannt” nicht unbedingt ein Konzept ist, das man üblicher Weise mit Ihm oder seiner Anhängerschaft in Verbindung bringt.

Er hat mir einige Lektionen erteilt oder zum Lernen aufgegeben, Themen, mit denen ich mich befassen, über die ich nachdenken soll. Ich habe angefangen über Regeln nachzudenken, die mir dabei helfen werden, Seinen Erwartungen gerecht zu werden—so sie mir denn bekannt sind. Er hat zum Ausdruck gebracht, dass Er es gern sähe, wenn ich Tanz als neues Element in meine regelmäßigen Devotionalien aufnehme, was ich auch nun angefangen habe zu tun. Ich war also alles andere als inaktiv! Aber es war sehr ruhig. Keine größeren Auseinandersetzungen, kein Drama, keine Geschichten, bei denen ich stundenlang am Heulen bin. Ruhig eben.

Wenn ich mal einen fürchterlichen Hundevergleich anbringen darf, fühlt es sich gerade so an als hätte Er die Leine abgenommen, oder zumindest sehr gelockert. Ich bin nur am Herumtoben auf einer Wiese, und spiele mit Schmetterlingen und Stöcken. Metaphysische, spirituelle Schmetterlinge und Stöckchen zwar, aber trotzdem. Schmetterlinge und Stöckchen halt.

Nach der zum Teil schwierigen Arbeit, die Er mit mir über das letzte Jahr hinweg getan hat, fühlt sich das jetzt irgendwie komisch an. Und nicht allzulang her, wurde ich auch prompt ungeduldig mit der Situation. Damit, dass ich nicht weiß, was Er von mir erwartet, hauptsächlich. Ich meine, ich weiß manche Dinge… zum Beispiel weiß ich, dass etwas auf mich zukommt, aber ich habe keinerlei Zeitfenster dafür, über das hinaus, was ich aus den Indizien erraten kann. Ich weiß zum Teil, welche ganz praktischen Dinge ich tun soll.. aber nicht wofür konkret.

Also wurde ich nervig und fing an, Loki darüber Löcher in den Bauch zu fragen. Und alles, was ich an Antwort von Ihm bekam war, dass ich warten muss. Nicht jetzt. Und natürlich frustriert mich “nicht jetzt” ziemlich, aber es macht mich auch unsicher. Warum scheinen alle anderen genau zu wissen, was sie tun, und warum, und zu welchem Zweck? Warum ich nicht? Mache ich alles falsch?

Alles was mir diese Fragerei einbrachte, war eine Wiederholung der Dinge, die ich tun soll, und der Ermahnung zu warten.

Gestern habe ich endlich eine Ahnung erhalten, warum. Es gab ein Problem im praktischen Teil meines Dissertationsprojekts, d.h. das Programm arbeitete nicht erwartungsgemäß. Ich wusste, dass es kein Bug war, da ich gerade erst einen Bugfix eingearbeitet hatte, der in dem unerwarteten Verhalten resultierte. Mit anderen Worten, das Ding hatte einen konzeptionellen Fehler.

Der hat mir so ziemlich den ganzen Tag vermiest. Das Problem ist, dass meine Deadlines gerade ziemlich dicht an dicht liegen, und das heißt ich kann mir konzeptionelle Fehler eigentlich nicht leisten. Und obwohl ich für diesen auch gestern Abend spät eine Lösung fand (oder vermutlich fand, die Experimente laufen noch), hat es mich doch mental ziemlich aus der Bahn gekegelt. Und zwar so, dass ich mich komplett ausklinkte, wenn man so will.

Ich wurde mir irgendwann auf einmal bewusst, dass ich völlig abgeschnitten und blockiert war; ich hasse dieses Gefühl. Ganz zu Beginn der Beziehung, die ich mit Loki pflege, ist das öfter mal passiert. Ich glaube ich habe mich einfach daran gewöhnt, dass es nicht mehr vorkommt, oder zumindest nicht ohne Grund. Aber so sah’s dann aus, ich fühlte mich kalt und mir war übel (Standardreaktion auf Stress: ich kann nichts mehr essen und muss mich dazu zwingen). Und obendrein fühlte sich alles falsch an.

Alles bezüglich meiner Beziehung zu meinem Gott war plötzlich in Frage gestellt, fühlte sich falsch, hohl und lächerlich an, weil ich mich aufgrund des Arbeitsstresses ausgeklinkt hatte. Ich glaube es war Glück dass ich gestern doch noch auf die Lösung stieß (wie gesagt vermutlich… genau kann ich es erst sagen wenn die Experimente durchgelaufen sind, aber es schaut ganz gut aus).

Aber der Punkt ist: Sowas kann sich jederzeit wiederholen, beliebig oft. Loki bremst mich nicht aus, um mich damit zu ärgern oder mir eine Lektion über Geduld zu erteilen. Er gibt mir die Möglichkeit, meinen Job-Kram zu einem ansehnlichen Ende zu bringen. Alles, was er zu mir sagte, als ich gestern Nacht endlich zu Ihm kam, war, “Und, verstehst du es jetzt?

Ich dankte Ihm. Und das mit dem bisschen Heulen, das keiner gesehen hat, war sicher, weil ich so ein großer Softie bin.

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About Myriad

Myriad Hallaug Lokadís
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15 Responses to Jede Menge Arbeit

  1. Alexis Solvey Viorsdottir says:

    Diese Reaktion des Ausklinkens kenne ich. Gerade in Phasen von großem Stress oder Depression macht man dicht. Das ist eigentlich ein Schutzmechanismus aber leider kann das auch bewirken, dass einem niemand mehr helfen kann “von oben”. Das ist ne doofe Sache.

    Krass wie schnell man etwas anzweifelt, dass wenige Stunden vorher noch klar und sicher war. Kenn ich aber auch.

    • Myriad says:

      Ja, das kannst Du laut sagen. Ich find’s total irrsinnig, wie schnell das gehen kann. Früher ist mir das sogar öfter passiert, und oft hatte es indirekt mit Unsicherheit meinerseits zu tun, “ob ich das denn ‘alles’ [schwurbelschwurbel] nun wirklich will, in Anbetracht dessen, dass [nochmehrschwurbel]”. Oder mit Alkoholkonsum und Kater am darauffolgenden Tag, oder mit körperlichem Unwohlsein/Krankheit im Allgemeinen.

      Depression ist auch so ein Ding, wo ich es mir ganz einfach vorstellen kann, dass es passiert. Und dann hängt man da in den Seilen und alle Kanäle sind dicht. Es stimmt schon, in meinem Fall war es auch gut, dass das mal passiert ist—ich lasse mich zu gern durch Gedanken an Ihn ablenken, und so konnte ich den ganzen Nachmittag durcharbeiten wie so ne Getriebene…

      Ist vielleicht kurzfristig ganz okay, aber auf Dauer… *kopfschüttel* lieber nicht. Lieber habe ich Ihn in meinem Leben und bin vielleicht etwas weniger effizient.

      • Alexis Solvey Viorsdottir says:

        effizient… pffff wir sind ja auch keine Maschinen :)

      • Myriad says:

        Richtig! Aber trotzdem gibt’s ja diesen ultra-effizienten Arbeitsmodus… aber ich denke, der ist eh eher mit einem Sprint vergleichbar: also völlig ungeeignet, damit einen Marathon zu laufen :) Dissertationen fallen ja typischer Weise eher in die Kategorie “Marathon”. Oder maximal “Etappentraining”.

      • Alexis Solvey Viorsdottir says:

        Ja das stimmt allerdings :)
        Bist du jetzt immer noch am testen?

      • Myriad says:

        Ja, das dauert eine Weile. Die werden sicher noch bis heute Nacht oder so weiterlaufen….

      • Alexis Solvey Viorsdottir says:

        heißt das du bleibst so lang bei der arbeit oder bist du daheim?

      • Myriad says:

        Zum Glück nicht. Die Phase wird wohl auch noch kommen, aber die Experimente können auch ohne meine Hilfe zu Ende laufen (ich kann später dann reingucken ob “es” gut geworden ist).

        Irgendwann in einem Monat oder so werde ich vermutlich, wie so viele vor mir, bis in die Puppen im Büro hocken…. :-/ aber noch nicht.

      • Alexis Solvey Viorsdottir says:

        das mochte ich am Campus immer… die vielen Wissenschaftler die ganz lange da bleiben um zu forschen und zu experimentieren lol

      • Myriad says:

        Aaah, was Du für ein Wissenschaftler-Idyll hältst, ist in Wirklichkeit nur die unliebsame Folge schlechten Zeitmanagements ;-) So wie Katzen schnurren, wenn ihnen was weh tut :-P

      • Alexis Solvey Viorsdottir says:

        lol also ich spreche nur für mich und ich fände es toll abends und nachts zu arbeiten, mir dabei fastfood vom imbiss an der ecke reinzuschaufeln und so… und ich weiß dass das so abläuft. mein Ex hat im Communications Engineering Lab (da hieß das noch nicht so, mensch wie die zeit vergeht lol) seinem prof immer geholfen.

      • Myriad says:

        Hmmm, aber dann nicht um 5:30 aufstehen müssen! Ich weiß nicht… ich hab’ lieber den Abend frei :D

  2. esaja says:

    wollte nur mal anmerken, dass es für mich auch oft so aussieht, als ob “alle andern wissen, was sie tun (sollen) und warum, nur ich steh im dunkeln und mach alles falsch”. :)
    und diese blockaden kenn ich auch viel zu gut. leider.

    • Myriad says:

      Ja, gell? Aber gerade in Mystikerkreisen habe ich manchmal den Eindruck, über Zweifel “redet man nicht”. Dabei müsste gerade über sowas viel mehr geredet werden, weil sich, insbesondere bei den Lokeans, ein unglaublicher “Leistungsdruck” aufbaut.

      Ich sage “insbesondere bei den Lokeans”, weil dort das Umherwerfen mit UPG gängige Praxis ist, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass damit auch Unsicherheiten bzw. Verunsicherung einhergehen kann (wenn man nicht aufpasst). Zu sowas hab ich auch schon versehentlich beigetragen, was mir dann hinterher sehr leid getan hat. Zumal ja auch jeder dieses ganze UPG-Zeug auf sich zu beziehen scheint, und es den Anschein hat, dass wirklich “alle” darin eine persönliche Bedeutung finden. Und wenn man damit jeden Tag und andauernd konfrontiert wird, dann entsteht Druck, und zwar ganz ordentlich.

      Und dann kommt noch obendrauf, dass fast nie jemand darüber redet, wie so ein Hochgefühl, das mit der Interaktion mit einer Gottheit einhergeht, sehr plötzlich verschwinden kann. Und wie’s dann so aussieht mit der Selbstsicherheit. Ich glaub’ an der Stelle kommt bei vielen dann auch sowas wie Schamgefühl auf, weil gerade so Mystik-Fuzzis (ich zähle mich mal lose dazu) das als persönliches Versagen empfinden und es nicht zugeben wollen.

      Gegen den UPG-Wahn empfehle ich: Rückzug und sein eigenes Ding machen. Ne Basis bekommen, die hoffentlich stabil genug ist, um dem Wirken von außen standzuhalten.

      Gegen das andere, das Blockieren und Ausklinken? Ja, wenn das nur so einfach wäre… ich glaub’ dagegen ist kein Kraut gewachsen, außer vielleicht “weitermachen”. Aber ich bin für Tips offen, wenn Du was weißt, wie man sowas systematischer in den Griff bekommen kann…

      • esaja says:

        leistungsdruck auf jeden fall, da stimm ich zu. und da stellen sich dann auch schnell mal versagensgefühle ein. vor allem, wenn man ohnehin zur selbstunsicherheit neigt, weil dann vergleicht man sich oft viel zu sehr mit anderen.
        und es kann schwer sein, den boden unter den füßen zu behalten, wenn alle andern anscheinend sicher auf ihrem weg sind, nur man selber steht im gestrüpp und hat keine ahnung wo’s lang geht.
        das problem mit zweifeln ist auch, dass die sich festsetzen können und sich dann schleichend ausweiten, bis zur ver-zweifel-ung. die können dann auch zum ‘ausklinken’ führen und dann find da mal wieder raus.
        und richtig, darüber wird zu wenig gesprochen. oder geschrieben. dann denkt man, man ist allein damit und es liegt an einem selber, irgendwas macht man falsch. und dann wirds grad noch schlimmer.
        gegen die blockaden hab ich auch kein wirkliches rezept. weiter machen ja. manchmal auch einfach locker lassen, still werden, nicht krampfhaft versuchen die verbindung wieder her zu stellen.
        und was generall durch zweifel und blockaden durch hiflt ist vertrauen. aber davon hab ich selber meist zuwenig.

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