Schale.

Natürlich hatte ich über das Schalen-Ritual nachgedacht. Es ist ja etwas, das sehr viele Loki-Verehrer_innen tun, und somit kam der Gedanke natürlich das eine oder andere Mal auf. Jedes Mal schob ich ihn beiseite, da ich es (für mich) nicht für richtig hielt, etwas Derartiges zu tun, weil andere es tun, oder aus Neugier.

Und genau deswegen war es sehr interessant, den Unterschied zu spüren zwischen etwas, das ich in Betracht ziehe zu tun, und etwas, das Er von mir verlangt, wobei aber “verlangt” schon zu viel gesagt ist. Er sagte, Er würde es begrüßen. In dem Moment, als mir das klar wurde, stellte sich aber die Frage, ob ich es tun würde oder nicht, schon gar nicht mehr. Natürlich würde ich.

Am Mittwoch Abend (also vor zwei Tagen) war es dann soweit. Ich brauchte erst einmal eine Weile, um das überhaupt ansatzweise zu verarbeiten. Eine ganze Weile, und eine längere e-Mail-Konversation mit einer Freundin. Die nachfolgenden Absätze sind daraus, ahem, entlehnt (*hust* copy-and-paste *hust*), und ganz leicht editiert.

Es ist eine sehr persönliche, unglaublich machtvolle und auch transformative Erfahrung für mich gewesen.

Es war schwer. Ich glaube das ist mit die wichtigste Lektion, die ich aus der Erfahrung mitnehmen muss. Es war unglaublich schwer, physisch, psychisch, emotional.

Ich kann das nicht beschreiben, nicht richtig. Rein technisch? Rein technisch ist ja nicht wirklich viel dabei.

Ich habe meine kleine Klangschale genommen.

In der Schale war Wasser drin. Als ich mich auf das Ritual vorbereitet habe und die Schale unter den Wasserhahn gehalten habe, habe ich ein paar mal überlegt, ob genug Wasser darin war. Drei Mal insgesamt, und jedes Mal sagte Loki, “mehr“. Beim vierten Mal war nur noch ein knapper Zentimeter unter dem Rand. “Genug.”

Ich bin in die Höhle gereist, in der Loki gefesselt liegt, habe die Schale mit beiden Händen unter das Maul der Schlange gehalten, ungefähr auf Stirnhöhe. Eine Viertelstunde lang.

Das klingt wenig, aber nach 3 Minuten war die Schale schwer. Nach 6 Minuten war es Schmerz, und danach… durchhalten, nicht wackeln, konzentrieren, meine-Arme-fallen-ab, Loki-ich-liebe-Dich, ich-will-länger, Augen auf sonst kippt das Ding, noch-ein-bisschen, eine-Minute-noch, und dann noch eine, und noch eine, und… ja. Ich hatte irgendwann das Gefühl, nur noch aus Willen zu bestehen, eisern, und aus Schmerzen. Und das ist nur der physisch-psychische Aspekt.

Emotional… mein Gott. Sigyn war nicht überzeugt, dass ich es schaffen würde (und ich kann es Ihr kein bisschen verdenken, Sie weiß, wovon Sie spricht). Es war Loki, der Ihr sagte, Er habe Vertrauen in mich. Das war ganz zu Beginn, noch bevor ich überhaupt angefangen hatte. Und es war schon der erste emotionale Hammer. Denn woher will Er das denn wissen? Da ging es doch nicht um eine Schale mit Wasser drin, die vielleicht ein paar hundert Gramm wiegt. Masse ist ohne Bedeutung. Da ging es auch nicht darum, ob ich es eine, zehn oder 30 Minuten lang aushalten würde. Zeit bedeutet nichts, rein gar nichts. Es ging einzig und allein darum, wie ich aufhören würde, wann, nicht gemessen in Minuten sondern in irgendetwas Viszeralem, Unbegreifbarem.

Es dauerte bis in die 10 Minuten oder so, bis Er und Sigyn einen Moment des Friedens zusammen hatten. Das war noch so ein emotionaler Schlag. So lang… nur für diesen kleinen Moment. Ich konnte zu dem Zeitpunkt gar nicht erklären, wieso mich das so mitgenommen hat. Aber Sigyn macht das beständig, andauernd, und wenn ich überlege, wie kurz dieser eine Moment war, insgesamt, dann muss ich mir Gedanken machen, wie viel Ihr so ein Augenblick Wert sein muss. Wie Sie Ihn liebt. Denn es ist nicht “effizient”; 10 Minuten dort in der Höhle lassen sich nicht in 10 Minuten übersetzen, die Er frei ist von Seiner Folter, nein, wenn man Glück hat, sind es ein paar Sekunden. Augenblicke nur.

Als die Viertelstunde um war, war ich so erschöpft, dass ich mir beim Aufstehen erst einmal Wasser über die Finger gegossen habe. Es war warm. Irgendwie hat mich das so erschreckt, dass ich beinah die ganze Schale fallen gelassen hätte.

Es tat weh, die Arme auch nur so weit anzuheben, dass ich die Hände auf der Altarkante abstützen konnte. Ich war ziemlich mit den Nerven runter, auch weil mein Körper mir nicht mehr so recht gehorchte. Noch für eine ganze Weile danach haben meine Arme richtig gezittert.

In der ganzen Zeit habe ich nicht eine einzige Sekunde lang die Wut empfunden, die ich irgendwo erwartet habe. Es war anders. Ich hatte Schmerzen, echte, körperliche und emotionale Schmerzen. Und ich dachte,”für Dich, mein Herr, ohne zu zögern.” Aber es ist einfach, so etwas hinzuschreiben, und einfach, so etwas zu denken. Es ist einfach, das zu Ihm zu sagen. Doch es ist etwas ganz anderes es zu tun — und der Grund warum ich da war, war genau diese Erkenntnis und das Erleben — es tut weh, für Ihn zu sein. Es ist schwer, sehr schwer, und man weiß nicht, für wie lang. Zum Ende hin war ich… ich glaube am Ehesten lässt es sich beschreiben mit “innerlich in Tränen aufgelöst”, aber nach außen… waren sie unsichtbar.

Nicht ganz. Aber fast.

Advertisements

About Myriad

Myriad Hallaug Lokadís
This entry was posted in Devotional Practice, German, Loki and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

5 Responses to Schale.

  1. Alexis Solvey Viorsdottir says:

    schöne, schöne Worte :) :) :) interessante Erfahrung. Ich denke, die ist irgendwie auch immer individuell, auch von Lokean zu Lokean. Man geht ja doch mit unterschiedlichen Intentionen und Background an die Sache ran.

    • Alexis Solvey Viorsdottir says:

      Sag mal, wäre es in dem Fall hier eigentlich okay, wenn ich es reblogge?

      • Myriad says:

        Ja. Danke fürs erst Nachfragen! Ich fände es völlig in Ordnung wenn Du es rebloggst… ist ja auch ein öffentlicher Post. Trotzdem danke fürs Nachfragen… Du hast ja mitbekommen, dass mir “die ganze Sache” viel bedeutet. <3

    • Myriad says:

      Ich glaube auch, dass es sehr individuell ist, was man da im Einzelnen erlebt. Ich hatte ja zu Beginn Sorgen dass meine Erfahrung durch meine Erwartungen und die Erfahrungsberichte anderer, die das Ritual durchgeführt haben, eingefärbt würde und dadurch an Bedeutung verlieren würde.

      Muss aber letztlich sagen, dass das, was ich dort erlebt habe, mir genau entsprach…

  2. Alexis Solvey Viorsdottir says:

    Hat dies auf Geschichten einer urbanen Priesterin rebloggt.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s