Gerümpel

Wie bitte? Ja, Ihr habt schon richtig gelesen: Gerümpel. Ist das Wort, das neulich ein mir nahestehender Mensch wählte, um die Objekte auf meinem Altar zu bezeichnen.

Wie bitte? Ja, genau. Die Objekte auf meinem Altar. Ich gebe zwar zu, mir fällt jetzt auf die Schnelle auch kein wirklich passender Oberbegriff ein, da weder Reliquie (“Überrest”) noch Paraphernalie gut passt. Aber Gerümpel? Ganz sicher nicht.

Natürlich, wie sowas immer läuft wenn man mal eine Reaktion braucht, war ich erst einmal so perplex, dass ich gar nicht reagiert habe. Irgendwann im Verlauf des Gesprächs wies ich dann darauf hin, dass der betreffende Mensch “meinen Altar gerade weniger heilig [mache], und das mir nicht Recht [sei]”. Ganz schön lame und viel zu freundlich, oder? Aber so bin ich halt. Lame und nicht in der Lage, meine Heiligtümer angemessen zu verteidigen.

Denn dass es da etwas zu verteidigen gab, war mir eigentlich sofort klar. Ich habe mich sogar um “klassisches” Shielding bemüht, was aber auf die Schnelle, und mit der Abruptheit und meiner Unvorbereitetheit mehr schlecht als recht funktionierte. Ich legte das Ganze nach meinem freundlichen Hinweis, dass ich mit diesem Verhalten nicht einverstanden bin, ad actas. Manchmal ist das das Beste, was man tun kann. Aber nicht in diesem Fall.

Warum nicht? Weil es eben noch nicht so ganz erledigt ist, auch wenn ich das gern so hätte. Das ist mir gestern Abend beim Gespräch mit einer Freundin aufgefallen, als ich feststellen musste, dass mich dieses Inzident doch noch ganz schön erzürnt. Denn was war eigentlich passiert? Jemand aus meinem Umfeld kam in mein Wohnzimmer (das streng genommen nicht nur mein Wohnzimmer ist, aber Leute ohne physische Präsenz zahlen keine Miete, und mein Name steht als einziger auf dem Vertrag, also bitte), also jemand aus meinem Umfeld kam in mein Wohnzimmer marschiert, in mein Altarzimmer und fasste mental — und ungebeten — erst einmal alles an. Igitt!

Ja, ganz recht: ein Übergriff, wie er im Buche steht, und schön dass ich es auch schon merke! Meine Freundin meinte, es sei respektlos, und ich stimme ihr da eindeutig zu. Es ist respektlos, und das nicht zu knapp.

Es ist sehr interessant, wenn ich die unterschiedlichen Reaktionen auf meine Altar-Ecke beobachte, ich schrieb an anderer Stelle darüber. Aber noch viel interessanter ist es, meine und Herrn L.s Reaktionen zu beobachten.

Beispielsweise meine Mutter: meine Mutter hat einen willentlich blinden Punkt, was Herrn L. angeht, aber sie weiß, was ein Altar ist, und wie man sich im “Dunstkreis” eines Altars benimmt. Entsprechend unspannend ist das Ganze, man hat das Gefühl, dass sich Herr L. und meine Mutter gegenseitig ignorieren bzw. tolerieren. Sie traut Ihm nicht über den Weg, und Er scheint untypisch rücksichtsvoll und sorgt dafür, dass sie immer wieder vergisst, was ich ihr über Ihn so gesagt habe, hält mich davon ab, in dem Zusammenhang mit irgendwelchen Türen in irgendwelche Häuser zu platzen, und… Oh-oh… mir geht gerade ein Licht auf. Mir geht gerade eine ganze Glühbirnenfabrik auf! Ich bin sehr amüsiert. Das wird noch lustig mit den B/beiden.

Egal, erstmal nicht wichtig…

Bei meinen Freundinnen ist es so, dass alle, jede auf ihre Art, den Umgang mit der Altar-Ecke hinbekommen, ohne dass ich, Herr L. oder sonst jemand (ich, ich, ich!!) sich gestört fühlt und “der liebe Frieden” — übrigens wichtig im Heidentum — ohne Mühe gewahrt bleibt.

Dann gibt es da noch meinen Neffen*, und das ist richtig interessant: der ist jetzt sieben Jahre alt, und hat genauso wenig Respekt vor dem Konzept “Altar”, wie oben genannter Mensch. Aber dennoch: Herr L. ist, im Gegensatz zu mir, sehr gelassen, wenn’s um meinen Neffen geht. Da können auch mal Dinge am Altar angefasst oder versehentlich umgeworfen, oder auch — meine persönliche Lieblingsvariante — versehentlich “geopfert” werden. Das Haus dankt für einige bunte Papierschnipsel, ein bisschen Herbstlaub und noch ein paar mehr zufällige Opfergaben durch meinen Neffen. Mein Telefon war auch schonmal dabei, sehr zum Amüsement aller Beteiligten.

Es gibt also kein grundsätzliches “Altar-Problem” — aber in dem oben beschriebenen Fall ging’s eindeutig zu weit, und war auch insgesamt nicht geduldet. Und deswegen werde ich jetzt erst einmal zu Abend essen, und mich dann nochmal bei der betreffenden Person melden und ein paar deutliche Worte über Heiligtümer, Übergriffe und Respekt vor Grenzen verlieren. In der Hoffnung, dass irgendjemand was dabei lernt, und dass die Lektion nicht die ist, dass ich genannten Menschen nun nicht mehr in meine Wohnung einladen kann.

So, und nun muss ich mich eine ausgiebige Runde amüsieren. *von dannen geh, zu sich selbst murmelnder Weise*

*streng genommen habe ich zwei Neffen, aber der jüngere ist gerade eine Woche alt, und ich habe ihn auch noch gar nicht gesehen außer auf einem Foto :)

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About Myriad

Myriad Hallaug Lokadís
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9 Responses to Gerümpel

  1. Alexis Solvey Viorsdottir says:

    Ich habe so Dinge auch schon erleben dürfen und ich weiß wie sich das anfühlt. Man bekommt den Drang danach alles erst mal zu reinigen und neu zu weihen. :-/

    • Myriad says:

      Ja, ganz genau! Ugh. Ich werd das abklären, wie ich jetzt damit umgehe… kann auch sein, dass ich erst einmal abwarte, wie betreffende Person sich dazu äußert. Denn fairer Weise muss man sagen, dass ich ja nicht unbedingt lautstark protestiert hab’…. :-/ Aber Du hast Recht, unangenehm, sehr unangenehm…

  2. Schwarzdorn says:

    Komisch…bei mir wird auch nix angepackt,obwohl ich den Tisch nie als Altar deklariere habe.
    Auch die Hestiakerzen auf dem Küchentisch nicht…
    Dass Kinder für Herrn L. eine Ausnahme bilden,habe ich mir schon fast gedacht.
    Und dass deine Mutter alles vergisst…mmh…dann erzählt sie wenigstens den falschen Leuten keine komischen Sachen…;-)

    • Myriad says:

      Ja, in der Regel gibt es gar keine Probleme, Meine Freunde sind normalerweise entweder neutral oder wissen ungefähr Bescheid, oder ignorieren den Altar komplett, als wäre er nicht da. Das ist schwierig, das Ding ist groß und nicht gerade in der Ecke versteckt :)

      So ein Zwischenfall wie das, was ich da oben beschrieben habe, kannte ich zuvor auch nicht. Mal sehen, was dabei rauskommt.

      Tja, und das mit meiner Mutter… ist wohl wahr, aber auf der anderen Seite würde sie das wohl sowieso nicht machen (anderen Leuten was darüber erzählen). Erstens mal erzähle ich ihr ja auch nix “Schlimmes” — oder was sie halt dafür halten würde, sie hat ziemlich rigide Ethik- und Moralvorstellungen, es gibt also durchaus Konfliktpotential, das ich aber bisher umschifft habe. Sie ist nicht “ultra-konservativ”, falls Du das jetzt so verstanden hast, aber sie hat dieses Ding, dass sie alles, was nicht 100% geradlinig und “at face value” ist, relativ rasch verurteilt. Du siehst, Konfliktpotenzial?

      Und auf der anderen Seite ist sie auch monistisch. Sie kann Polytheismus nicht ganz mitgehen, da für sie die Götter “Ausdrucksformen” des Göttlichen Prinzips sind. Ich glaube da sind wir (sie und ich) uns eben uneinig. Und wenn man etwas nicht nachvollziehen kann, dann ist das Unterbewusstsein eher willens, Informationen für sich zu behalten. Loki… scheint da ein bisschen nachzuhelfen im Moment. Weil es Ihm wohl gerade in den Kram passt. Sowas amüsiert mich :)

      • Schwarzdorn says:

        Ich habe bei vielen immer den Eindruck,dass sie zum Lästern neigen,wenn sie etwas nicht verstehen.Und gerade Verwandtschaft hat da ja ungeheueres Potential…
        Deswegen dachte ich,dass diese Gedächtnislücken ja praktisch sind…;-)

      • Myriad says:

        Ja, praktisch sind diese Gedächtnislücken durchaus, auch wenn’s nicht unbedingt um Lästereien geht. Bei meiner Mutter nimmt es allerdings schon recht seltsame Züge an: vor ungefähr einem Jahr hatte ich in bunter Farbe eine Widmung an Loki auf meiner Wand stehen. Die hat sie nicht ein einziges Mal beachtet oder danach gefragt. Klar, es geht sie ja auch nichts an, ich habe meine eigene Wohnung undsoweiter. Aber sagen wir mal so, nur weil sie etwas nichts angeht, heißt das nicht, dass sie sich deswegen auch raushält. Nur bei Loki… bei Loki scheint das der Fall zu sein.

        Irgendwann sagte ich einfach, “wenn Du irgendwas über Ihn wissen möchtest, dann frag am Besten mich… ich kann dir dann Pointer zur richtigen Literatur geben”.

        Meine Sorge ist, dass sie irgendwann auf die Idee kommt, Google weiß alles. Das ist, auch wenn man Marvel mal komplett rausfiltert, nicht so eine gute Idee. Ich weiß nicht. Ich kann letztendlich nicht viel machen außer hoffen, dass sie mir mehr vertraut als Google….

      • Frau Koriander says:

        Ah,ok,verstehe.
        Da ist es natürlich ganz schön mutig,wenn du ihr so offen über deinen Weg erzählst.
        Meine Eltern haben mit Glauben und Religion nichts am Hut.
        Ich mag ja Maria ganz gerne und habe meiner Ma letztes Jahr eine alte Marienfigur geschenkt.
        Schon als Dekoobjekt zu ihren alten Möbeln sähe die total toll aus.
        Aber da konnte Muttern so gar nichts mit anfangen und meinte nur: Ja,die stelle ich dann Weihnachten mal hin.
        Googeln würde die wahrscheinlich nie irgendwas,das auch nur ansatzweise mit Glauben oder Spiritualität zu tun hat.
        Das ist einfach nicht ihre Welt.

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