Es war hier sehr lang sehr still auf diesem Blog — so still, dass ich sogar schon gefragt wurde, ob Loki und ich noch “beieinander” sind. Darüber musste ich erst einmal lächeln und ich freute mich. “Beieinander”, das sind wir in der Tat.

Es gab verschiedene Gründe für die Sendepause hier — unter anderem die Fertigstellung und Einreichung meiner Doktorarbeit vor einem Monat. Danach wollte ich zwar wieder schreiben, konnte aber nicht: die Themen, über die ich schreiben wollte, türmten sich zwar, aber keines wollte mich richtiggehend anspringen. Und zudem… tja, zudem gab es da noch diese Angelegenheit. Die, um die sich der heutige Blog-Eintrag drehen wird, nämlich meine Enttaufung. Das hier ist eher ein Erfahrungsbericht, und definitiv kein allgemeingültiger Leitfaden. Das kann es schon aus dem Grund nicht sein, dass es rein technisch gesehen den hier beschriebenen Zweck, die Enttaufung, gar nicht geben kann.

Taufe

Im März 1998, also vor ziemlich genau 16 Jahren, ließ ich mich evangelisch taufen und konfirmieren. Ich war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt. Meine Beweggründe zu diesem Schritt waren ziemlich dämlich — ich war in eine Person verliebt, die in der evangelischen Gemeinde tätig war, und eiferte dieser Person in vielen Aspekten nach. Nun ist es so, dass das “dort oben” niemanden interessiert, aus welchem Grund man sich taufen lässt; eine Bindung entsteht — und erst recht, wenn, wie das bei mir der Fall war, die Taufe stattfindet, wenn der Täufling religionsmündig ist.

In allen mir bekannten christlichen Glaubensgemeinschaften ist die Taufe ein Sakrament, das heißt, ein sichtbares Zeichen des Eintritts in bzw. der Teilhabe an einer göttlichen Wirklichkeit. Wie alle Sakramente ist die Taufe unverletzlich. Speziell ist die Taufe, vereinfacht ausgedrückt, der Eintritt des Täuflings in die “Gemeinschaft der Heiligen” — also derer, die am Heil, nämlich der Befreiung von der (Erb-)Sünde, teilhaben dürfen. Diese Taufe kann durch nichts und niemanden wieder rückgängig gemacht werden.

In den letzten zwei Jahren ist es durchaus öfter vorgekommen, dass ich mir über die Tragweite meiner damaligen Entscheidung Gedanken gemacht habe. Einige Menschen, mit denen ich in Kontakt stand, schienen das nicht zu verstehen, bzw. stellten sich auf den Standpunkt, dass die Taufe wohl “vielleicht nicht richtig gewirkt” habe, weil ich “erst jetzt die für mich passende Religion gefunden” hätte. So nett es gemeint war, ich kam nicht umhin, das für sehr optimistisch und opportunistisch zu halten… und obwohl es ein Jahr dauern sollte, bis mich das Problem einholen würde, sollte ich in dieser Angelegenheit Recht behalten.

Bindungen

In letzten zwei Monaten vor der Abgabe meiner Doktorarbeit war meine Beziehung zu Loki sehr intensiv, und sehr eng. Nicht zuletzt durch einen Zwischenfall, der durchaus das Zeug dazu hatte, diese Beziehung auf eine ernsthafte Probe zu stellen, vergrößerte sich die Nähe zwischen Ihm und mir gerade in dieser Zeit noch zusätzlich.

Als ich dann mit dem Schreiben meiner Dissertation am Ende war, wurde es ein wenig stiller, was mich aber nicht besorgte. Ich fand es nur ein wenig schade, da ich ja nun auf absehbare Zeit erst einmal Zeit im Überfluss haben würde, aber man kann die Götter nunmal nicht “einbestellen”. Letztlich ist das aber gar nicht so wichtig, denn nach einer kurzen Pause von ein paar Tagen kam Loki dann mit dem Hammer (nein, natürlich nicht DEM Hammer) um die Ecke.

Er verlangte von mir, dass ich eine Absicht Ihm gegenüber laut, und irgendwie formal und formelhaft erklären solle; und irgendwie gelang es mir, aus Ihm herauszuwieseln, dass es darum ging, mir eine Auslösung aus der Taufe zu ermöglichen. Ich erfuhr an dem Abend auch ein paar Dinge über Ihn, die mich sehr tief berührten.

Hätte Loki nicht getan, was Er getan hat — ich weiß auch nicht, was es genau war — so hätte ich keine Möglichkeit gehabt, die Bindung durch das Sakrament der Taufe aufzulösen. Erst durch Sein Wirken wurde mir ermöglicht, mich zu enttaufen. Die Taufe an sich lässt sich in dieser Situation vielleicht am Ehesten mit einem Zimmer vergleichen. Loki hatte das Zimmer von außen aufgeschlossen; doch die Tür öffnen und hinausgehen, das war etwas, das ich selbst tun musste.

Das ließ mich erkennen, wie sehr ich doch durch die Taufe gebunden war. Unwissentlich zwar und aus bescheuerten Gründen vielleicht, aber dennoch. Denn der Gedanke daran, diese Trennung tatsächlich durchzuführen, war alles andere als einfach. Ich weiß auch, dass es dem Gott der Christen — zumindest in seiner Gestalt als Jesus Christus — nicht egal war. Ich glaube, das war für mich die erschütterndste Erkenntnis: ich würde Ihn als Gottheit ablehnen, und Ihn damit treffen.

In einem sehr emotionalen Telefonat mit einer Freundin, bei dem ich, was ich sonst wirklich selten tue, damit beschäftigt war, ständig Wasser über die Augen zu verlieren und ein auch sonst sehr jämmerliches Bild abzugeben, wurde mir das alles sehr, sehr klar.

Klar hatte ich auch ein bisschen Angst. Einen Austritt aus der Gemeinschaft der Heiligen, das legt man nicht “halt mal so” ohne Weiteres aufs Parkett — und wenn man es tut, dann hat man es nicht richtig gemacht. Aber neben diesem wirklich unguten Gefühl, wollte ich auch… naja, klingt jetzt blöd… aber ich wollte keinen Streit, und ich wollte niemanden vor den Kopf stoßen. Es war und ist wirklich traurig, dass das erste Mal, dass ich mit Jesus tatsächlich Kontakt hatte, unter dem Vorzeichen stand, dass ich mich von Ihm trennen würde. Er ist für mich als Gottheit nach wie vor erreichbar — aber ich gehöre nicht mehr zu Ihm.

Handlung

Dann geschah erst einmal nichts. Die Enttaufung stand im Raum, und durch die Hilfe meiner Freundin konnte ich überhaupt einmal ein Bild davon bekommen, wie ich so etwas rituell bewerkstelligen könnte. Aber passiert ist eine Weile lang nichts, beziehungsweise ich verwickelte mich vorübergehend in einer unguten Situation, die all das erst einmal eindrucksvoll in den Hintergrund drängte — so sehr, dass aus einem konkreten, festen Vorhaben meinerseits erst einmal nichts wurde.

Loki kommentierte das alles nicht, und ließ mich machen. Dass Ihm die “ungute Situation” nicht gefiel, wusste ich zwar, aber ich “weiß natürlich immer alles besser” *göttliches Augenverdrehen*. Aber Er hat Zeit, und auf die zwei Wöchlein kam es jetzt auch nicht an.

Vergangene Woche dann war es dann soweit. Ich wollte das dann auch nicht mehr ewig auf die lange Bank schieben, denn während Loki viel Zeit hat, trifft das auf mich deutlich weniger zu, und ich bekam so langsam das Gefühl ‘jetzt aber mal langsam hinne’ — kennt bestimmt jeder, der mal eine Deadline irgendwo hatte.

Auf das Ritual selbst möchte ich gar nicht im Detail eingehen. Demgemäß, wie ich das Ritual geskriptet hatte, hatte ich an mehreren Stellen die Möglichkeit eingeplant, dass sich Jemand einmischen könnte; insbesondere war der Trennungsprozess selbst in einzelne Sätze/Schritte heruntergebrochen, zu denen es jeweils einen Part Kontemplation und die Möglichkeit zur Interaktion durch die Götter gab, so Sie denn anwesend seien. Beide waren da, sowohl Gott-Jesus, als auch Loki, wobei sich Loki zunächst sehr im Hintergrund hielt — was sehr wichtig und gut war. Das Ritual war schließlich erst einmal im Dank an, und natürlich im Abschied von Jesus als Wegbegleiter und Wegbewahrer.

Beobachtungen

Ich war im Vorfeld besorgt, dass ich es verkehrt machen würde, dass nichts passieren würde, dass mir die Götter hineinfunken würden, dass mir die Götter nicht hineinfunken würden, und dass ich hinterher genauso schlau sein würde, wie vorher.

Aber Zweifel kamen dann irgendwie keine auf. Die Trennungsschritte selbst und die Anwesenheit der Götter konnte ich deutlich spüren; eine besondere Erwähnung erarbeitete sich ein Feuerchen im Blumentopf.

Das Feuer, das ich zum Verbrennen von einem Stück Textil geplant hatte, beschloss, völlig zu spinnen und brannte ungefähr einen Meter hoch, was für mein Wohnzimmer im Dachgeschoss doch zu viel war und mich sehr nervös machte — Asche flog durch die Gegend. Es war sehr warm und Feuerli machte keine Anstalten kleiner zu werden; im Gegenteil, es gab Stichflammen und besonders zu Beginn eine nicht zu vernachlässigende Rauchentwicklung, obwohl ich reine Baumwolle benutzte. Irgendwann wurde es mir dann zu bunt, denn nebenbei bemerkt fing ich auch noch an, mir Sorgen zu machen, dass jemand die Feuerwehr holen würde — was aufgrund meiner Ritualbekleidung unter Garantie eine Story für die Enkel der Feuerwehrleute geworden wäre. Also begoss ich das Feuer mit Wasser, was dann zu einem Haufen Zischen und Spucken und noch mehr Rauch führte, aber letztlich musste es dann doch weichen.

Für die Zukunft: Baumwoll-Köper brennt sehr gut. Teelichtwachs als Brandbeschleuniger funktioniert auch sehr gut. Ruß ist schwarz. Loki trollt gern Seine Leute. (Das klingt fast wie aus einem der Runen-Gedichte zitiert).

Während des anschließenden inoffiziellen Teils des Abends war Loki sehr nah, und ich in einer tieferen Trance, die ich allerdings nicht absichtlich herbeigeführt hatte (und auch irgendwie erst hinterher bemerkte, als ich wieder “normal” wurde). Es war fein, W/wir feierten gemeinsam… und der mit Abstand schönste Teil des Abends war Lokis Reaktion, als ich zu Ihm sagte, “hier bin ich”.

Vielleicht das Erstaunlichste war, dass ich mich wirklich sofort anders fühlte. Ich könnte es noch nicht einmal beschreiben, inwiefern. Die Begriffe “leer”, “leicht”, “frei”, oder ähnliche, sind jedenfalls nicht zutreffend. Es war und ist deutlich subtiler, und wird wahrscheinlich nicht in Worte fassbar sein.

Und etwas, das ich gerade erst beginne, wirklich auszuloten, ist, wie sich meine Verbundenheit mit Loki geändert hat — denn auch die ist nicht mehr dieselbe. Ich bin seit Sonntag eingestimmter auf Ihn (entschuldigt bitte die Schwurbel-Sprache) und das macht mich zur Zeit sehr verletzlich. Dinge, die Ihn betreffen, berühren mich anders als noch letzte Woche, und ich finde es schwierig, damit umzugehen.

Ich habe Geschenke von Ihm bekommen, Dinge, die gerade im richtigen Moment auftauchten und fast geschenkt günstig zu erstehen waren. Ich bin hin und weg.

Er ist so ein toller Typ.

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Myriad Hallaug Lokadís
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