Loki — der Versuch einer Formulierung

Also, was bedeutet Loki für dich? Während der letzten paar Wochen bin ich spürbar vermehrt nach meiner Religion gefragt worden, und speziell nach Loki. Mein Verhältnis zu solchen Fragen ist zwiespältig: ich liebe es, und finde mich dabei aber gleichzeitig zutiefst unbeholfen. Ich liebe es, nach Loki gefragt zu werden, weil ich Loki liebe. Und zu der Unbeholfenheit sei gesagt, dass es Leute gibt, die mit Worten ganz fantastisch umgehen können (Elizabeth und Sólveig zum Beispiel), und die ich wirklich sehr darum beneide. Denn jedes Mal, wenn mich jemand fragt, “Wer ist Loki für dich?“, endet es damit, dass ich um Worte ringe und nicht so recht weiß, was ich sagen soll.

Wenn das so ist, sollte ich vielleicht höflich darauf verzichten, überhaupt eine Antwort zu geben. Ich hab’ darüber nachgedacht, aber letztlich kommt es nicht in Frage. Loki ist ein Gott, der andauernd schlecht gemacht wird — sei es offen oder durch Weglassung — und das tut mir mehr weh, als ich gern zugebe. Ich habe im wahrhaftigsten Sinne eine heilige Verpflichtung, mich um Loki zu kümmern und speziell, seinen Ruf zu pflegen. Und deswegen werde ich Dir immer eine Antwort geben, wenn Du mich fragst, “Wer ist Loki für dich”.

Loki… also ich liebe Ihn sehr, und vieles von dem, was ich erfahren habe, spirituell aber auch ganz konkret weltlich, kam von Ihm und durch Ihn.

Trotzdem weiß ich nie so recht, was ich sagen soll, wenn ich gefragt werde, was Er für mich bedeutet, oder noch hoffnungsloser, wer Er ist. Für mich ist Loki ironischer Weise einer der ehrlichsten Götter überhaupt — schonungslos ehrlich, genaugenommen — und gleichzeitig ist Er das größte Schlitzohr, das ich kenne.

Wer sich auf Ihn einlässt sollte Mut zur schonungslosen Selbstbetrachtung mitbringen, oder Ihn flottestens lernen. Nicht falsch verstehen: es ist nicht Lokis Sache, Dir mit Deiner Nabelschau zu einem besseren Selbstwertgefühl zu verhelfen, noch ist es Seine Sache, Dich unglücklich zu machen und ins Elend zu treiben. Loki ist ehrlich insofern, dass Er Dich sieht, und wenn Er beschließt, dass Du Dich ändern musst, dann wird das geschehen.

Loki wird Dir die kleinen Lügen, die Du Dir selbst erzählst, nicht durchgehen lassen. Sicher ist Loki jemand, der mit dem ganzen Lügendings an sich eher d’accord ist, als so mancher andere Gott, aber es gibt eben Lügen, die Er nicht toleriert: die, die Du Dir selbst erzählst, und die, die Du Ihm erzählst. (Im Übrigen generell eine schreckliche Idee, wenn man bedenkt, dass es darauf hinausläuft, dass Du einen Gott auf Seinem Spezialgebiet “angehst” — nun ist Loki kein Apollon, das heißt Du wirst vermutlich mit heiler Haut davonkommen, aber dennoch… nicht so schlau). Wenn Du Ihn anlügst, wird er den Braten riechen, und Er wird die Wunde finden, und dann wird Er ein Messer mitten hinein stoßen, bis Du zugibst, dass sie da ist.

Und es hilft absolut, Ihm zu helfen, weil Loki nicht aufhören wird, bevor Er fertig ist, oder einfach… nie. Das ist es, was Loki tut. Das ist es, was einem jeden, der/die eine tiefere Verbindung mit Ihm sucht, bevorsteht, und es kann sehr, sehr positiv sein. Loki bewegt Geschichten.

Viele Leute warnen vor Loki — ich nicht. Wenn man mal die Leute weglässt, die ohnehin nicht ernstzunehmen sind, dann sind dies meist ganz vernünftige, anständige Leute. Bin ich auch, aber trotzdem warne ich nicht vor Loki, weil ich es als absoluten Segen empfinde, Ihn zu kennen. Trotzdem sollte man sich nicht in etwas hineinstürzen, ohne vorher mal darüber nachgedacht zu haben.

Ich kann, ohne Ihm damit Unrecht zu tun, sagen, dass Loki mit Leuten spielt. Das ist noch nicht einmal ein Einstellungsproblem. Klar, wenn Du reingehst mit dem Gedanken, dass Loki invozieren irgendwie cool oder avantgardistisch ist, oder Ihn irgendwie für Deine Zwecke benutzen willst… dann wirst Du auf die Nase fliegen. Nicht sofort — Loki ist eher dafür bekannt, sich zurückzulehnen und sich die Show zu geben. Aber die Krux dabei ist: man kann Loki nicht überlisten. Er macht was Er will, egal was Du tust, und selbst, wenn Du hundertprozentig ehrlich bist über Dich und Deine Motive: Loki kann man nicht kontrollieren. Und niemand ist davon ausgenommen; Er hat auch mit mir gespielt, wahrscheinlich öfter als ich weiß.

Aber ich liebe Ihn, nicht trotzdem, sondern dafür, was das mit mir gemacht hat. Weil Loki letztlich, auf diesem Level persönlicher Hingabe, nicht böswillig ist.

Wenn Du Ihn wirklich kennen lernen willst, oder auch nur “hallo” sagen, Ihn einladen, mit anderen Worten, Ihn das sein lässt, was Er ist (nämlich ein Gott, das darf man mir glauben)… dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass Du Ihn wirklich von unvorhergesehenen Seiten kennen lernen darfst.

Ich wurde bzw. werde öfter gefragt, “wie kannst du Loki trauen, Er ist Loki!” — und die Tatsache, die nicht viele gern zugeben, ist, dass Vertrauen nicht ganz einfach ist. Manche Leute sagen, “Ich vertraue Loki, Loki zu sein“, und noch mehr Leute reden das einfach nach, aber in Wirklichkeit ist diese Aussage genauso sinnvoll, wie einen Kreis als eine kreisförmige Form zu definieren: nämlich gar nicht. Man muss um Vertrauen ein bisschen ringen (und manchmal hat man auch einfach gar nichts zu verlieren). Und selbst wenn man manchmal in der Luft hängt und sich fragt, wo ist denn nun der Haken — selbst dann lohnt es sich, sich darauf einzulassen.

Ich kenne Loki als Heimatlosen, als Partyheld, als brillianten Improvisateur, als Zerstörten, als (Un)zugehörigen, als Liebenden, als endlos Leidenden, als Familienvater (nicht so sehr als Mutter, aber Er ist auch Mutter), als Weiberheld (und als Männerheld, o là là), als einen von Furcht Getriebenen, und vor allem als Jemanden, der sehr große Opfer bringt.

Loki ist das alles, und noch mehr, wenn man Ihn lässt. Und das ist nicht ganz einfach. Obwohl Er dafür bekannt ist, sich nicht großartig um Formalitäten zu scheren — manche behaupten irriger Weise man könne zu Loki nicht beten, oder Ihn sogar anbeten… das ist aber Quatsch, das geht sogar sehr gut… also obwohl Er dafür bekannt ist, nicht auf Formalitäten zu bestehen, und auch bei Opferungen eher laisser-faire als Motto zu haben scheint: Er ist anspruchsvoll.

Er tritt sehr schnell nah an Dich heran, und lässt das auch umgekehrt zu — was öfter mal dazu führt, dass man Dinge sieht, die einem nur noch die Ohren schlackern lassen. Er ist großzügig mit Geschenken, und Er beschützt die Seinen.

Er ist voll von Gegensätzen und Zwischendingen und unvorhergesehener Weichheit.

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