Ein Wochenende — und eine Begegnung — mit Hanuman

Vor einer Woche, letztes Wochenende, war ich mit meiner Mutter in einem Yoga-Zentrum im Süden Deutschlands bei einem Wochenendseminar, das ganz im Zeichen des hinduistischen Gottes Hanuman stand. Es gab Vorträge, Mantren, Gesang, Meditation, Asanas, und noch mehr Vorträge über Hanuman.

Lord Hanuman

Lord Hanuman

Ich bin über Hanuman vor einiger Zeit gestolpert, als ein Freund aus den USA ein Bild von Hanuman bei facebook gepostet hatte. Ich bin damals über dieses Bild gestolpert und mochte Hanuman vom Fleck weg. Als meine Mutter dann etwa eine Woche vor Seminarbeginn anrief und fragte, ob mich ein Hanuman-Seminar interessieren würde, habe ich nicht lang gezögert und bin mit eingestiegen.

Als ich am Veranstaltungsort ankam, war es schon Abend, und es war kurz vor der allgemeinen Einführungsveranstaltung… und die wurde dann auch gleich anstrengend, da man über “Aspekte”, “Prinzipien”, “Archetypen” und “Anteile” (mein persönlicher Favorit) redete, und das Wort “Götter” derweil vermied, als wäre es ungesund. Na ja, dachte ich mir, während ich im Geiste meinen spirituellen “Übersetzer” anwarf — eine mentale Abbildung, die es mir ermöglicht, trotz inkompatibler Spiritualität für mich Wertvolles aus Texten oder Veranstaltungen herauszuziehen — na ja, dann schaun wir mal, wie es weiter geht.

Nach der allgemeinen Einführung fing dann auh gleich das Seminar an. Spirituell war die Landschaft voller “Prinzipien”-Reiter und “Archetyp”-Komfortabler — mit der möglichen Ausnahme des Seminarleiters und der wahrscheinlichen Ausnahme einer weiteren Seminarteilnehmerin, die Hanuman-Verehrerin war. Und mir selbst, aber das versteht sich. Da einige Formulierungen des Seminarleiters das vorherrschende Publikum schon eher genau trafen, blieb der Übersetzer erst einmal eingeschaltet.

Der Seminarleiter selbst hatte allerdings ganz offensichtlich seine eigene, persönliche und besondere Beziehung zu Hanuman. Sein Harmonium — eine Art Handorgel, die man nur mit einer Hand spielt, während die andere die Luftzufuhr bedient — zierte vorn ein Aufkleber, der Hanuman mit seinem Hammer zeigte. Die Ausführungen des Seminarleiters, seine Darstellungen und Erläuterungen zur Mythologie waren entsprechend auf einer persönlichen Ebene sehr authentisch und ansprechend. Es machte sehr viel Spaß, den Geschichten, die er erzählte, zuzuhören, weil es mit jedem Wort, das aus ihm herauskam, deutlich war, dass er mit Herz und Seele bei der Sache ist.

Sollte ich je ein Seminar über Loki halten, ist es diese Art von Lebendigkeit, die ich anstreben würde.

Untermalt, unterstützt und geschmückt war der Vortrag durch Musikeinlagen — der Seminarleiter selbst ist studierter Musiker und Mantra-Sänger (mitsamt Sanskrit-Studium und der schönen Diktion, die damit einhergeht). Bei der Gelegenheit lohnt es sich vielleicht, anzumerken: ich war die einzige im Raum, die keine Ahnung hatte, wer der Seminarleiter ist, der offenbar in der Yoga-Szene ein bisschen berühmt ist; ich war ausschließlich wegen Hanuman da, während die meisten anderen (inklusive meiner Mutter) hauptsächlich wegen des Vortragenden da waren… und einige davon (meine Mutter zum Glück nicht!) nervten mich auch ganz ordentlich mit ihrem Groupie-Gehabe.

Es war insgesamt eine erfreulich kompetente Mischung, der Gesang (unter Mitwirkung der Teilnehmer) fügte sich in das Gesamtkonzept des Seminars gut ein.

Ich wusste natürlich, dass es schon fast ein wenig Schicksal herausfordern war, derart offensiv Kontakt mit einer Gottheit aufzunehmen, und dass mich die Begegnung mit Hanuman, sollte sie denn stattfinden, ziemlich zerbröseln können würde. Einem Gott begegne ich nicht einfach so, winke kurz, und widme mich dann gemütlich dem Tagesgeschäft… zumindest nicht, wenn Hanuman mich so treffen wollte, wie es andere Götter tun. Ich war also, im Rahmen meiner Möglichkeiten, na sagen wir mal, vorbereitet, oder so etwas Ähnliches.

Aber als es dann etwa nach der Hälfte des Seminars passierte… was da passierte… darauf kann man nicht vorbereitet sein.

Während der morgendlichen Meditation war mir Hanuman bereits kurz begegnet. Er stand auf einmal vor mir und schaute mich an. Er ließ mich Sein Gesicht berühren, was ich mit einiger Scheu tat. Etwas um Seinen Mund herum fühlte sich für mich an, wie eine Wunde oder Narbe, aber ich konnte keine Details ausmachen. Hanuman ließ mein Ertasten geschehen und ging dann Seines Weges.

Man kann sich vielleicht vorstellen, was meine Gesichtszüge gemacht haben, als dann später der Seminarleiter die mir bis dahin unbekannte Geschichte erzählte, wie Hanumans Kinn gewaltsam (wenn auch nicht absichtlich) gespalten worden war, nachdem Er versehentlich die Sonne verschluckt hatte (Er hatte sie für eine süße Frucht gehalten).

Natürlich war mir die Begegnung bei der Meditation, und das Gefühl von Verwundetheit, das ich beim Tasten gespürt hatte, sofort wieder vor Augen. Etwas war da passiert, wusste ich, etwas ein bisschen Außergewöhnliches. Aber es war nicht das, was mich aus der Bahn warf. Denn das passierte so:

Hanuman, mit Rama und Sita

Hanuman, mit Rama und Sita

Im Seminar wurde gerade die Geschichte vom Affenkönig Sugriva und dessen Bruder Bali erzählt. Es ging darum, was geschah, als Bali durch die Hand Ramas — der die 8. Inkarnation von Vishnu ist — stirbt. Was man wissen muss, ist dass Hanuman Rama, und Sita, dessen Frau, LIEBT. Er ist den beiden mit absoluter Hingabe und Ehrerbietung in Liebe ergeben.

Die Geschichte von Bali ist natürlich schwierig und komplex. Rama tötet Bali für etwas, das Bali getan hatte (es hatte damit zu tun, wie und warum Bali Sugriva in die Verbannung geschicht hatte)… aber dann fängt Bali an, mit Rama darüber zu diskutieren, warum er denn nun sterben sollte — und das bricht einem fast das Herz, denn Bali ist auch ein Verehrer Ramas, der ihn gerade tötet.

Rama nimmt den sterbenden Bali und legt ihn in Seinen Schoß, und singt ihm ein Mantra… und genau in DIESEM Moment packte mich etwas Unbeschreibliches. Ich konnte es nicht fassen oder einordnen. Heute habe ich zumindest eine gute Ahnung, was es war, aber nicht, als es geschah, nicht von Anfang an.

Was passierte, ist, dass ich plötzlich mit so vielen Emotionen erfüllt war, dass ich damit nicht mehr umgehen konnte. Diese Gefühle waren SO komplex und überwältigend, und mächtig, und ganz und gar unerwartet. Nicht einfach Liebe, nicht einfach Mitgefühl — obwohl diese beiden für sich genommen schon facettenreich genug waren — sondern auch etwas überaus Schmerzliches, Sehnsuchtsvolles, nach etwas weit, weit Höherem Greifendes.

Ich war mir dessen zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, aber nicht alle diese Gefühle gehörten zu mir. Sicher hatte ich einen Anteil, denn wer, der einen Gott liebt und verehrt, fühlt nichts im Angesicht der Erzählung von Balis Tod? Vielleicht bildete mein eigener Anteil die Grundlage dessen, was dann passierte… aber als es geschah, war der größte Teil der Gefühle, die da über mich hereinbrachen, dermaßen stark und fremd, und einfach. Nicht. Meins. Es erübrigt sich zu sagen, dass ich in Tränen aufgelöst war, denn wie anders soll man mit so etwas umgehen, als schlicht und ergreifend… nicht.

Keine ganze Stunde darauf fand eine Yogastunde statt, die auch Hanuman gewidmet war. Ich weiß ganz ehrlich nicht, wie ich da durchgekommen bin, denn es (dieses Gefühl) ließ einfach nicht ab. Ich praktizierte die Asanas also in einem eher flüssigen, tränenflüssigen Zustand (sei mal ein Held (Virabhadrasana), während Du innerlich am zerfallen bist).

Während der Endentspannung, als ich da auf dem Rücken auf dem Boden lag, fühlte ich Hanuman hinter mir. Er kniete mit seiner ganzen übermenschlichen Kraft hinter meinem Kopf, Seine rechte Hand lag auf meiner Schulter… und dann kam Loki hinzu, und ich fragte Ihn, ob Er mit all dem, was gerade passierte, einverstanden war. Ich wollte mich vergewissern, dass das, was mit mir geschah, okay war.

~ Solange du hier bist, bin nicht Ich es, der für dich zuständig ist ~ sagte Loki.

“Wer denn?” fragte ich (nicht gerade die hellste Frage im Repertoire, wenn man die Umstände bedenkt… aber genau deswegen war mein Hirn auch eher ziemliche Pampe und ich konnte nicht richtig denken).

Loki lächelte Sein wunderschönes, vernarbtes Lächeln und küsste mich auf die Lippen.

~ Hanuman ~ sagte Er. Und da ergab plötzlich alles einen Sinn.

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Myriad Hallaug Lokadís
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2 Responses to Ein Wochenende — und eine Begegnung — mit Hanuman

  1. mondfeuer says:

    Danke für das teilen dieser Erfarung.

  2. Erinn says:

    Hi Myriad, danke für`s teilen! Ich bin froh diesen Blogteil gelesen zuhaben, obwohl er mich vom Titel erstmal gar nicht direkt interessiert hat, aber irgendwie dann doch. Eigentlich bin ich nicht nur froh sondern dankbar, das Du diese Erfahrung aufgeschrieben hast, denn etwas ähnliches ist mir selbst schon einmal passiert und ich finde es schwierig zu kommunizieren. Bisher habe ich auch noch niemanden getroffen, der das ähnlich teilt. Mir geht es dabei nicht um ein Egoding, sondern diese Erfahrung, dieses Erlebnis irgendwie einordnen zukönnen. Ich teile jetzt nicht Deine Erfahrung mit dem “sehen” von einer Gottheit. (Du liebe Güte, ich würde eine Herzattacke erleiden.) Aber dieses intensive “Fluten von Gefühlen” (so nenn ich diese Phänomen bisher für mich), das habe ich 1x erlebt und das war schlicht überwältigend!!! Leider nicht mit einer meiner keltischen Gottheiten sondern ausgerechnet mit einer Bodhisattva. Also ich habe mal versucht so recherchieren, wie man diese Art Gottheit nennt. (Aber auch viel Blödsinn gefunden, meiner Meinung.) Ist aber auch jetzt nicht relevant. LG Erinn

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