Dimmuborgir: Eine Begegnung in Island

From inside a cave, DimmuborgirIch bin noch da… sage ich nach halbjähriger Blogpause und Stille um meine Person. So etwas Ähnliches sagte aber auch Loki zu mir, als ich letzten Monat (im Juni) für eine Woche in Island war. Island, das Land, das Er mir seit Jahren ans Herz gelegt hat zu bereisen, das Land, bei dem von Ihm immer Zugehörigkeit ausging, wenn es in unseren Begegnungen vorkam — als Gedanke, als Idee, als Gefühl.

Geplant war diese Island-Reise schon lang, und konkret geplant (mit Eckdaten und all dem) immerhin schon ein Jahr lang. Dass diese Eckdaten mitten in meine größte Krise fallen würden seit wir, Loki und ich, einander begegnet sind, wusste ich damals natürlich nicht. Um ein Haar wäre ich auch nicht gefahren.

Dann könnte ich hier aber nichts berichten, und das wär’ auch erst das Geringste, wenn man bedenkt, wie diese Reise zum Katalysator für meine Beziehung zu meinem Göttergatten wurde.

Dimmuborgir — die Dunklen Städte

Gereist bin ich mit einer Freundin aus meiner früheren Heimatstadt… und sie war es auch, die im Vorfeld der Reise, lange bevor es losgehen sollte, beiläufig das Wort “Dimmuborgir” erwähnte, als mögliches Ausflugsziel. Meine Freundin vergaß das Ganze wieder, oder zumindest behielt es keine besondere Wichtigkeit für sie. Im Gegensatz dazu klingelten bei mir sofort alle Glöckchen, und obschon wir unser letztliches Reiseziel — halb zufällig in Tagesausflugsdistanz dazu — erst viel später festlegen sollten, blieb bei mir hängen: Da musst du hin.Lavator, Dimmuborgir

Dimmuborgir, das sind Formationen aus Lava, soweit das Auge reicht, sich auftürmende, zerbrochene, spröd-zerklüftete schwarze Skulpturen, die dem Namen alle Ehre machen. Zwischendrin ist ein Meehr von tief wachsenden Birken, der Boden mit Heidelbeersträuchern und Moosen in Farben zwischen weißlich-gelb, grün und rötlich bedeckt, hier und da wachsen Blumen in kissenartigen Pölsterchen. Und Dimmuborgir, das ist auf den ersten Blick ein überwältigendes Gefühl der Vertrautheit mit den Eigenheiten, Assoziationen, den unbezwingbaren, unbezwungenen Energien, die dieser Ort für mich evoziert. Kein ruhiger, nein, ein von Widersprüchen durchzogener Ort, dessen Einladung selbst voll unaussprechbarer Warnung ist, aber eben in all ihrer Unvereinbarkeit mit sich selbst doch eindeutig als Einladung erkennbar ist.

Meine Freundin, eine hoch spirituelle Katholikin, hatte eine ganz andere Reaktion auf diesen Ort: auch sie spürte eine große Macht bzw. Kraft, die ihm innewohnt, aber im Gegensatz zu mir fühlte es sich für sie “fremd” an — nicht schlecht, aber unvertraut.

Mein Fundstück, oder: Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?

Die Dimmuborgir sind von Touristen relativ gut besucht, vor Allem der Bereich nahe der Parkplätze. Dort gibt es vor Allem zwei Hauptattraktionen: Ein Lavator, durch das man in Richtung des riesigen Aschekraters Hverfell hindurchgeht, sowie eine Formation, die wegen ihrer Gestalt “Kirkja” heißt, Kirche.

Irgendwo dazwischen, im übersättigten gut ausgebauten Bereich, kann man einen unebenen Treppenpfad hinaufgehen, zu einer anderen, kleineren Lavaformation, die zwar regen Besuch, aber wenig tatsächliche Aufmerksamkeit bekommt. Oben angekommen, steht man in der Öffnung einer Höhle. Sie ist nicht besonders groß, nicht besonders tief, und überhaupt nicht besonders spektakulär.

Um mich herum waren zwei Kinder, die ohne ihre Eltern hinaufgegangen waren. “Was siehst du?” rief ein Elternteil hinauf, und das Kind antwortete, “nichts, nur eine Schüssel aus Metall.”

The bowlIch habe den Dialog nur am Rande registriert, denn ich stand erst einmal nur da und habe meinen Augen nicht so recht getraut. Dort, in der Höhle, am… Kopfende, wenn man so will, stand eine gusseiserne Schale, und schaute mich an. Nun bist du also hier, schien sie zu sagen, zu mir persönlich. Und: du hast eine Aufgabe, erinnerst du dich? Ich, eine jahrelange Verehrerin von Loki, eine Freundin, Mittlerin, eine Sorgerin, eine Frau von Loki, eine, die Loki begegnet ist, dort, in jener Höhle, und nicht nur einmal, laufe in einen Ort, über den ich nichts weiß, in einem mir unbekannten Land, und finde vor: Eine Höhle, in der sich eine Schale befindet.

Meiner Freundin indessen war da zu viel Trubel, sie ist schon unten, als ich zu ihr stoße. Sie spricht über den Ort, Dimmuborgir, wie er sich anfühlt für sie (stark, fremd, mächtig, unruhig). “Hast du gesehen, was in der Höhle ist?”, frage ich sie. Ihre (sinngemäße) Antwort: “Nein… zu viele Leute. Das Kind hat etwas von einer Schale… Oh.”

(Nebenbei ist diese Freundin eine der wenigen Menschen, die ziemlich genau wissen, was mich mit Loki verbindet, und kennt sich ihrerseits in der Mythologie ziemlich gut aus.)

Oh. Ja, genau.

Ich weiß bis heute nicht, warum diese Schale dort in der Höhle ist, wer sie dort hingestellt hat, und wofür. Ich weiß nur, dass sie da war, als ich da war. Und dass mir auf einmal viel klarer wurde, warum dieser Ort so ist, wie er ist. Und warum er mir so vertraut war, sobald ich einen Fuß hineingesetzt hatte.

Opfer und eine Wanderung durchs Zerklüftete

Das erste, was passiert, als wir uns auf den Weg machen, weg von den japanischen Touristen mit ihren Kameras, Stoffsonnenschirmen, Ballerina-Schuhen und Tüllröcken über Leggings, ist, dass mir der Ort ein Blutopfer abverlangt: ich bleibe an einem Vorsprung mit meinem Finger (dem Finger, an dem ich einen bestimmten Ring trage) hängen, und blute ein wenig. Es beunruhigt mich nicht, ich fühle mich ein bisschen unwirklich, etwas entrückt.

Ich weiß plötzlich, Loki sagt es mir, das ist nicht jener Ort, aber es ist einer jener Orte. Es gibt noch mehr davon, ich weiß aber nicht wo.

Und ich mag zwar rational wissen, dass die Dimmuborgir durch Wassereinschluss in einem später kollabierten Lavatunnel entstanden, aber wer mit meinem Hintergrund einmal diese Landschaft ansieht, und sieht, wie verschiedene Lava-Brocken ineinander verkeilt liegen, wie zerklüftet das Ganze ist, der wird nicht umhinkommen, Erdbeben zu sehen, die diese Landschaft formen.

Meine Freundin und ich machen das, was eigentlich nicht erlaubt ist, und gehen vom Weg ab, in die Klippenlandschaft hinein. Es sei nicht feindselig, sagt sie, während wir umherkraxeln, aber irgendwie sei es auch nicht einladend.

Es ist gefährlich, antworte ich ihr, wieder eine dieser Eingebungen: “es ist gefährlich, und nicht ganz zurechnungsfähig, sogar, wenn er dir freundlich gesonnen ist”. Man kann diese Energie spüren, wenn man dort abseits der Wege unterwegs ist: Unberechenbarkeit. Manche Lavabrocken, die aussehen, als könne man Gewicht draufbringen, wackeln, sobald man es versucht. Das Klettern in den Lavaklippen wird zum Hindernislauf, zum Geschicklichkeitstest.

Der Ort ist, wie er ist, weil er ist, was er ist.

Ich fühle mich vertraut damit, aber weiß um die Gefahr, die ihm innewohnt. Den Weg sehen wir schon lange nicht mehr. Es ist leicht, die Orientierung zu verlieren: es führt kein gerader Weg von einem Punkt zu einem beliebigen anderen. Wo man gangbaren Boden vermutet, tun sich unverhofft schroffe Abgründe auf, und zwingen einen, einen Umweg zu gehen… und auch der ist voller Biegungen und Wendungen. Man kann sich hier verlaufen — der Gedanke kommt mir plötzlich: immerhin wird es nicht dunkel werden.

Und dann bin ich irgendwann allein, meine Freundin hat einen anderen Weg gewählt. Meine Orientierung sagt mir, wo grob der offizielle Wanderweg sein müsste, in welcher Richtung er liegt. Eine Weile laufe und klettere ich in der Lavalandschaft umher.

Die Birken erinnern mich an Laufey. Sie liebt Ihren Sohn sehr.

Dann irgendwann stehe ich vor einer Klippe, zwischen mir, und dort wo der Weg ist. Ich könnte drum herum gehen, aber jetzt, wo ich allein bin mit diesem Ort, spüre ich, dass ich nicht drum herum gehen darf. Also klettern… irgendwo nicht allzu weit weg höre ich meine Freundin. Meinen Rucksack kann ich nicht anbehalten, den werfe ich vorweg — es ist nichts drin, was kaputtgehen kann. Und dann ich. Über scharfkantige Gebilde, zu einem schmalen Vorsprung. Es geht ganz schön tief runter (naja, nicht lebensgefährlich tief, aber schon so, dass man sich gut ein paar Knochen brechen kann, wenn man ungeschickt fällt). Ein wenig gefährlich, aber darunter wieder das Vertraute dieses Ortes, in allen seinen Aspekten. Mein Abstieg ist langsam, aber ich habe ja Zeit. Ich muss hier nicht weg, sondern ich gehe dann, wenn ich gelassen werde.

Unten angekommen, geht es auf der anderen Seite wieder hoch… diesmal zwar mit Rucksack, aber immer noch mit der entsprechenden Aufmerksamkeit. Der Ort zieht an mir, will mich noch nicht so recht gehen lassen, doch am Ende komme ich oben an. Der Weg ist ein paar Meter weiter.

Klippenlandschaft

Meine Freundin fragt mich später, ob ich denke, dass es Zufall ist, dass diese Höhle mitten im Touristenbetrieb ist. Nein, das denke ich nicht. Denn auch wenn ich Loki am Besten von Seinen einsamen Seiten kenne — eines weiß ich sicher: Er mag Menschen.

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Myriad Hallaug Lokadís
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4 Responses to Dimmuborgir: Eine Begegnung in Island

  1. Sati says:

    Das ist einfach wunderschön! Ich freu mich so, dass Du darüber geschrieben hast. Und bei der Höhle mit der Schale konnte ich auch nur an “das” denken! :)

    • Myriad says:

      Ich musste das noch irgendwie “wegschreiben” — solange die Eindrücke noch frisch sind… aber ich freu’ mich sehr, dass Du es magst! (War wirklich toll dort, kann ich nur wärmstens empfehlen) <3

  2. Sólveig says:

    Warum warst du eigentlich so lange weg? Wirst du darüber noch schreiben?

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